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Große China Rundreise vom 28.02. bis 14.03.2010

Sonntag, 28.02.2010

Über Deutschland fegt der Sturm Xynthia. Wir fahren extra früh ab, damit wir unseren Flug um 19:50 Uhr auch wirklich bekommen. Generell ist diese Idee auch sehr gut, denn unterwegs erleben wir das absolute Verkehrschaos. Rund um den Frankfurter Flughafen geht gar nichts mehr und nur auf Schleichwegen gelangen wir an den Terminal. Pünktlich und daher sehr erleichtert laufen wir zum Check In und erfahren dort, dass unser Flugzeug nicht pünktlich starten wird. Voraussichtlicher Abflug 23:50 Uhr …

Wir vertreiben uns mit Canasta und Lesen die Zeit. Tatsächlich starten wir erst nach Mitternacht gen Shanghai.

Montag, 01.03.2010

Aufgrund des verspäteten Abflugs in Frankfurt landen wir erst gegen 17:30 Uhr in Shanghai. Es dämmert bereits. Unser Reiseleiter Feng stellt sich uns vor. Er wird uns auf der gesamten Rundreise begleiten. Mit dem Transrapid (301 km/h) brausen wir in die Innenstadt. Die Fahrtzeit beträgt sage und schreibe 7 Minuten. Weiter geht es mit dem Bus zum ersten gemeinsamen Abendessen. Unsere Gruppe besteht aus 31 Personen und ist bunt gemischt. Verblüfft stellen wir fest, dass wir nicht nur aus Deutschland sind. Auch Reisende aus der Schweiz und Österreich gehören zu unserer Gruppe. Essen gehen in China läuft etwas anders als bei uns: Man trifft sich mit Freunden und teilt sich große runde Tisch mit einer drehbaren Glasplatte in der Mitte. Jeder bestellt ein oder zwei Gerichte und alles kommt auf die Glasplatte. Nun bedient man sich nach Lust und Geschmack. Die Suppe kommt übrigens fast zum Ende. Suppe ist hier nicht wie bei uns als Vorspeise gedacht. Alle Gerichte schmecken uns sehr gut und man serviert uns auch keine exotischen Dinge. Trotzdem ist das Essen anders als beim Chinesen zu Hause. Nach dem Essen fahren wir zu unserem Hotel, checken ein und nehmen noch einen Absacker in der Hotelbar. Dann falle ich hundemüde ins Bett – gute Nacht Shanghai …

Dienstag, 02.03.2010

Verblüffend munter wache ich in meinem schönen Hotelzimmer auf. Der Blick nach draußen zeigt mir den starken Verkehr auf der Hochstrasse. Ein schöner Blick ist das nicht wirklich, aber irgendwie auch faszinierend. Es wuselt mächtig und ich stelle fest, dass eine Hochstrasse in China anders ist als in Deutschland: Die gesamten Hochstrassen sind mit Blumenkästen ausgestattet und die Blumen darin sind gepflegt. Scheinbar gibt es hier Hochstrassengärtner. Nach dem Frühstück starten wir mit unserem Bus und unserem „Meister“. In China werden die Busfahrer mit „Meister“ angesprochen. Nach nur einem Tag haben wir das verstanden: Verkehrsregeln werden hier nicht eingehalten. Feng ist sich auch nicht sicher, ob die Chinesen überhaupt Verkehrsregeln kennen. Er meint, dass wohl noch nicht mal die Polizei alle Verkehrsregeln wirklich kennt. Nur wenige Kilometer auf den Strassen von Shanghai zeigen uns, dass das wohl der Wahrheit entspricht. Apropos Verkehr: Um das Chaos etwas einzudämmen hat die Regierung eine Kennzeichen Verlosung eingeführt. Man kann mit viel Glück ein Kennzeichen für umgerechnet ca. € 4.000,-- in der Verlosung erstehen. Zum Vergleich: Das preiswerteste Auto in China kostet wohl derzeit ca. € 3.000,--. Ein Kennzeichen ist also teurer als ein Auto. Hat man jedoch ein Kennzeichen, dann hat man es ein Leben lang. Kauft man sich ein neues Auto, dann nimmt man nur das Kennzeichen ab und schraubt es auf den neuen Wagen. Die sehr abergläubigen Chinesen hoffen bei der Verlosung auch auf eine gute Kennzeichennummer. Eine 8 bedeutet viel Geld und ist somit gut. Eine 4 bedeutet Tod und ist somit schlecht. In der Kombination ist es jedoch wieder gut, denn die 48 und auch die 84 steht für Geld bis zum Tod. Fengs Geschichten unterhalten uns auf dem Weg durch die Stadt.

Unsere erste Station heute ist der Yu Garten. Man sagt, dass der Yu Garten einer der schönsten Gärten in China ist. Er wurde 1559 von Pan Yunduan erbaut und war ein Geschenk an seinen Vater. Die gesamte Anlage wurde während des ersten Opiumkriegs, dem Taiping Aufstand und zuletzt während dem zweiten Japankrieg schwer beschädigt. Erst Ende der 50er Jahre wurde er renoviert und seit 1961 ist er wieder für Besucher geöffnet. Seit 1982 steht der Yu Garten auf der Liste der chinesischen Denkmäler. Wir bummeln durch die Höfe und Gärten und bestaunen die gepflegte Anlage. Es ist kalt und grau, aber wir sind noch trocken unterwegs. So früh am Morgen sind noch nicht viele Touristen da und wir können die Ruhe des Gartens genießen. Neben wunderschönen alten Pavillons beeindruckt mich am meisten die Bepflanzung. Ein Innenhof geht in den nächsten Innenhof über und von Hof zu Hof wird es prächtiger. Besonders schön finde ich den Bambusgarten und die kleinen Teiche mit all den Koi Karpfen.

Vom Yu Garten aus gelangt man direkt in die Altstadt Nanshi mit der berühmten Zickzackbrücke. Sie ist im Zickzack gebaut, weil Geister nicht um die Ecken laufen können. Interessante Vorstellung … In der Mitte der Brücke ist das alte Huxingting Teehaus. Hier ist die Zeit wohl stehen geblieben und nur die Teepreise haben sich an die heutige Zeit angepasst. Selbst die Queen war schon mal hier und ich jetzt auch. Es regnet inzwischen und wir flüchten zu Starbucks. Ein heißer Kaffee wärmt unsere klammen Hände und belebt. Ein Bummel durch die Gassen der Altstadt zeigt uns, dass wir nichts kaufen möchten. Der „Running Gag“ ist geboren: „Du? Das ist doch aber „Made in China“! Willst Du das wirklich kaufen?“

Von der Altstadt aus fahren wir an den Bund. Der Bund ist die 1.500 Meter lange Uferpromenade am westlichen Ufer des Huangpu Fluss und einer der wichtigsten Finanzplätze in Ostasien. Normalerweise hat man einen wunderbaren Blick auf die Skyline und die Unmengen von Hochhäusern. Besonders gefreut habe ich mich eigentlich auf den Blick zum Jin Mao Tower, aber der Nebel gibt den Blick nicht frei. Der Jin Mao Tower ist 402,5 Meter hoch und hat 88 Etagen (Zur Erinnerung: 8 = Glückszahl). Die Grundsteinlegung war im Jahre 1994 und nach nur vier Jahren Bauzeit wurde er 1998 eingeweiht. Feng ist sich nicht ganz sicher, aber er meint, dass der Mao Tower bis vor 4 Jahren noch das höchste Gebäude der Welt war. Laut Wikipedia ist er heute auf Platz 8 in der Welt und in China auf Platz 2. Direkt neben dem Tower steht des Shanghai World Financial Center. Es ist 492 Meter hoch und derzeit das höchste Gebäude in Shanghai. In der Welt hat es Platz 3 eingenommen. Mich erinnert das SWFC an einen stehenden Flaschenöffner, denn es hat eine große quadratische Öffnung hoch oben. Dies ist für die Drachen, denn durch diese Öffnung können die Drachen durchfliegen. Aha … Schade, dass man beide Gebäude heute nicht wirklich sehen, sondern nur erahnen kann. Wir brechen den Besuch am Bund ab und fahren durchgefroren zum Mittagessen.

Frisch aufgewärmt und gestärkt fahren wir nach dem Essen zum Jadebuddha. Der Jadebuddha-Tempel wurde 1882 mit zwei Jade Buddha Statuen gegründet. Die beiden Buddhas wurden damals auf dem Seeweg aus Myanmar (damals noch Burma) nach Shanghai gebracht. Der sitzende Buddha ist 1,95 Meter hoch und wiegt 3 Tonnen. Er ist aus einem Stein und wirklich sehr schön. Obwohl fotografieren verboten ist mache ich ein Bild von ihm. Es hat niemand gemerkt und ich verspreche auch einem Mitreisenden, dass ich ihm das Foto per Email zusenden werde. Im Innenhof der Tempelanlage räuchern große Stäbchen vor sich hin. Die Gläubigen entzünden sie und verneigen sich dann mit ihnen in der Hand in alle vier Himmelsrichtungen. Anschließend werden sie in einem Räuchergefäss abgelegt. Die Luft ist hier mit verschiedenen Duft- und Rauchgerüchen geschwängert. Apropos Gläubige: Wie schon oben erwähnt sind alle Chinesen sehr abergläubig. Feng erklärt uns aber, dass die meisten Chinesen Atheisten sind. Das verblüfft mich doch, denn ich dachte, dass wir in China auf sehr viele Buddhisten treffen. Auf dem Land fühlen sich viele Chinesen zum Christentum hingezogen, denn in den Kirchen hört man ihnen zu. Offizielle Zahlen zeigen dann, dass in China 100 Mio. Buddhisten, 20 Mio. Protestanten, 12 Mio. Katholiken leben. Eine Angabe der Zugehörigkeiten zum Daoismus gibt es nicht. Bei einer Einwohnerzahl von 1,330 Mrd. ist der Anteil der Gläubigen tatsächlich gering.

Unser nächstes Ziel ist die staatliche Perlenfabrik. Man zeigt uns einen Videofilm über die Perlenzucht, wir bekommen eine Muschel geöffnet und dann darf eingekauft werden. Im Shop zeigt man uns wirklich wunderschöne Perlenketten und mit einigem Verhandeln bekommt man sie auch zu vernünftigen Preisen. Ja, auch ich habe mir eine Perlenkette gekauft. Weiter geht es zur Nanjing Road und hier haben wir Freizeit. Die Nanjing Road ist die Einkaufsmeile von Shanghai. Wir bummeln in der Fussgängerzone und betrachten die Auslagen der Geschäfte. Hier findet man alle Marken, die wir auch in Deutschland kennen. Verblüfft stellen wir fest, dass z. B. Nike und S. Oliver hier in China teurer ist als bei uns. Ich kann das nicht nachvollziehen, denn immerhin sind all diese Produkte „Made in China“. Wir kaufen nichts, aber knipsen eifrig drauf los.

Nun geht es zurück ins Hotel. Wir machen uns frisch und fahren dann zum „White Magnolia“ Theater. Hier bietet man uns eine Akrobatik Show vom Feinsten. Wir sind schwer beeindruckt von den Darbietungen. Noch schwerer beeindruckt sind wir allerdings nach der Show. Im Bus stellt ein Mitreisender fest, dass sein Geldbeutel mit seinem gesamten Bargeld weg ist. Er ist sich sicher, dass er ihm aus der Hosentasche gerutscht ist als er einen Prospekt der Show aus der Tasche gezogen hat. Feng ruft im Theater an und erklärt auch, wo wir saßen. 5 Minuten später klingelt Fengs Handy: Der Geldbeutel wurde gefunden und wird umgehend ins Hotel gebracht. Im Theater waren hunderte von Menschen und ein Großteil muss am Geldbeutel vorbei gelaufen sein. Trotzdem wurde er nicht gestohlen – er wurde abgegeben. Unser Mitreisender ist sehr glücklich und erleichtert. Ja, er wird wohl ab heute auch den Hotelsafe benutzen und nicht mehr alle Barschaften mit sich herumtragen. Zum Abendessen auf eigenen Faust gehen wir ins Home Kitchen gegenüber von unserem Hotel. Man spricht nur chinesisch – kein englisch oder deutsch … Ich fertige Skizzen von Gabeln und Löffeln an und wir bestellen mit Händen und Gesten. Leckeres tischt man uns auf und wir essen für € 4,50 pro Person inkl. Getränke. Schnell ist klar: Morgen Abend essen wir auch wieder hier.

Mittwoch, 03.03.2010

Der Tag beginnt wieder früh und leider auch wieder grau in grau. Wir fahren nach dem Frühstück zum Wasserdorf Zhujiajiao. Dieses Dorf hat nur etwa 60.000 Einwohner und trägt den Beinamen „Venedig von Shanghai“. Der Fluss, der durch das Dorf fließt ist der Huangpu Fluss. Den haben wir ja schon am Bund kennengelernt, aber da ist er bedeutend breiter als hier im Dorf. Wir laufen noch nicht lange und dann öffnet der Himmel seine Schleusen: Passend zum Wasserdorf regnet es und wir hasten durch die Gassen, kaufen Regenschirme und blicken unter ihnen hindurch zu den insgesamt 36 schönen Steinbrücken. Wie schön es hier bei schönem Wetter wäre … An der Fangsheng Brücke (im Jahre 1571 gebaut – 72 Meter lang, 5 Meter breit und 7,2 Meter hoch) verkaufen ein paar Frauen Goldfische in Plastikbeuteln für kleines Geld. Diese Goldfische lässt man nach dem Kauf im Fluss frei und das bringt Glück. Der Regen wird immer stärker und wir laufen immer schneller. Feng entscheidet, dass wir früher zum Mittagessen gehen. Innerhalb einer Reisegruppe ist nicht viel Spielraum. Wären wir alleine gewesen, dann wären wir ins Teehaus und hätten ein wenig gewartet. Aber wir sind nicht alleine und so traben wir zum Essen.

Nach dem Essen fahren wir zurück nach Shanghai und besuchen dort die staatliche Seidenfabrik. Fasziniert sehen wir zu wie aus den kleinen weißen Kokons der Seidenraupe der Anfang eines Fadens gesucht und dann aufgewickelt wird. Nachdem wir alles über Seide erfahren haben und auch zugesehen haben wie man Seidenbettdecken herstellt, geht es in die Verkaufshalle. Das gehört hier einfach dazu: Man führt uns in staatliche Fabriken mit Verkaufsstelle und hofft, dass wir kaufen. Ich kaufe einen Seidenschal für meinen Strohwitwer zu Hause und mit Mama zusammen suchen wir ein schönes Tuch für Johanna aus. Den Kauf eines chinesischen feuerroten Hemdes können wir Papa ausreden. Wieder im Bus bewundern wir die Einkäufe der Reisegruppe und Feng erzählt uns mehr über China. Wie auch bei uns arbeiten die meisten Leute in China von Montag bis Freitag. Frauen gehen hier mit 50 Jahren und Männer mit 55 Jahren in den Ruhestand. Allerdings sind die Arbeitsbedingungen hier nicht mit unseren Bedingungen zu vergleichen. Arbeitssicherheit wird hier nicht gerade großgeschrieben und das hören wir ja auch in Deutschland regelmäßig in den Nachrichten. Unsere letzte Station heute ist das alte französische Viertel von Shanghai. Es heißt heute Xin Tiandi und das bedeutet "Neue Welt". Dieses wunderschöne Viertel gefällt mir unheimlich gut: Es sind überall kleine Lokale und Geschäfte in alten Backsteinhäusern, kleine Plätze mit Springbrunnen und eine Paulaner Brauerei. In diesem Viertel wurde am 31. Juli 1921 die kommunistische Partei Chinas gegründet. Wir sehen eine Gedenkplatte, die daran erinnert. Sehr schade finde ich den plötzlichen Aufbruch: Die Gruppe will zurück zum Hotel, weil der Regen alle durchweicht hat. Das französische Viertel hat mir sehr gut gefallen und ich hätte hier gerne mehr Zeit verbracht. Wie schon am Vorabend gehen wir ins Home Kitchen essen.

Donnerstag, 04.03.2010

Wir checken nach dem Frühstück aus und fahren zur Waima Road. Dort steht schon ein Schiff bereit und wir bekommen eine Hafenrundfahrt rund um den Bund. Die Skyline ist auch heute wieder in Nebel getaucht, aber zwischendurch sieht man doch immer mal wieder etwas. Mein sehnsüchtig erwarteter Jin Mao Tower wirkt in dieser Menge der Wolkenkratzer wie ein Spielzeug. Anders als in New York ist hier die Anzahl der Gebäude so geballt, dass kein einzelnes Gebäude ins Auge sticht. Ich entdecke direkt am Fluss eine Villa mit großem Garten. Auch so etwas findet man in Pudong am Bund. Trotz dem Nebel knipsen wir wie die Wilden und freuen uns an dem Anblick. Es ist kalt und windig, aber wenigstens regnet es gerade mal nicht. Zurück am Anleger entdecke ich ein Schiff der SPD Bank. Schon gestern unterwegs in Shanghai fiel mir die SPD Bank ins Auge und wir haben geschmunzelt. SPD hat hier natürlich nichts mit unserer Partei in Deutschland zu tun: SPD steht für Shanghai Pudong Development Bank.

Heute fahren wir nicht mit dem Transrapid zum Flughafen Shanghai Pudong International, sondern mit dem Bus. Die Fahrtzeit mit dem Bus beträgt 1 Stunde und 15 Minuten – mit dem Transrapid haben wir das in 7 Minuten geschafft. Mit dem Flieger geht es nach Chongqing. Die Flugzeit beträgt 3 Stunden und die Entfernung von Shanghai nach Chongqing sind 1.241 Kilometer. Am Flughafen werden wir von Isa begrüßt. Sie ist unsere örtliche Reiseleiterin für heute und morgen. Voller Stolz erzählt sie uns auf der Fahrt in die Stadt, dass Chongqing die größte Stadt der Welt ist. Wir schauen ungläubig und ein wenig sprachlos. Keiner von uns hat je von dieser Stadt gehört und das soll die größte Stadt der Welt sein? Dank Wikipedia kann ich es nachvollziehen und auch verstehen:

„Chongqing ist eine Millionenstadt in der Volksrepublik China auf einer wie ein Komma geformten Halbinsel am Zusammenfluss von Jangtse und

Jialing. Sie stellt als Regierungsunmittelbare Stadt eine eigenständige Verwaltungseinheit mit 32,0 Millionen Einwohnern (2007) dar. Wenn ausschließlich die administrativen Stadtgrenzen herangezogen werden, ist Chongqing die größte Stadt der Welt. Die Fläche des Verwaltungsgebietes der Stadt ist mit 82.403 Quadratkilometern annähernd so groß wie der Staat Österreich (83.871 Quadratkilometer) und besteht überwiegend aus Gebieten mit ländlicher Siedlungsstruktur. Wird die Kernstadt (hohe Bebauungsdichte und geschlossene Ortsform) als Grundlage genommen, leben in Chongqing 4,3 Millionen Menschen. Der Ballungsraum (einschließlich Vororte) hat 7,7 Millionen Einwohner (2007).“ Quelle: wikipedia.org

Auf dem Weg zum Hotel halten wir unterwegs noch an und gehen zum gemeinsamen Abendessen. Anschließend checken wir im Hotel ein und ich betrete mein Luxuszimmer. Ich habe sogar ein Eckzimmer bekommen und die Ausstattung ist so luxuriös. Der absolute Wahnsinn !! Mit meinen Eltern zusammen bummel ich noch eine Runde ums Quadrat. Unterwegs werde ich auf Englisch von zwei kleinen Mädchen angesprochen. Sie sind wohl fasziniert von mir Langnase und kichern. Wir Europäer sind für die Asiaten Langnasen und sie betrachten uns genau so neugierig wie wir sie. Es ist uns bereits in Shanghai ein paar Mal passiert, dass man uns ebenso fotografiert hat wie wir sie fotografieren. Dass die beiden kleinen Mädchen ein paar Brocken Englisch sprechen finde ich interessant. Feng erklärt mir später, dass die Kinder inzwischen in der Schule Englischunterricht haben. Vermutlich haben meine beiden kleinen Freundinnen stolz am nächsten Tag in der Schule erzählt, dass sie mit einer Langnase gesprochen haben.

Freitag, 05.03.2010

Ich habe wunderbar in meinem Luxuszimmer geschlafen und bin nun zu allen Schandtaten bereit. Nach dem Frühstück fahren wir zum Rathaus (Municipality Hall) und den riesigen Vorplatz. Chongqing war während dem zweiten Weltkrieg die provisorische Hauptstadt von China. Die Stadt ist übrigens die Partnerstadt von Düsseldorf. Auf dem großen Vorplatz sind viele Menschen mit Frühsport beschäftigt. Man sieht hier – wie überall in China – kleine Gruppen von Menschen, die Tai Chi machen. Andere Menschen üben mit ihrem Kreisel. An Tischen sitzen Männer und spielen Mah-Jongg. Es ist ganz normal und üblich, dass man nach dem Frühstück in den Park geht und dort sportlich aktiv ist und seine sozialen Kontakte pflegt. Voller Neugier schaue ich beim Mah-Jongg zu. Ich kenne das nur vom PC und hier spielt man das zu Viert mit Steinen, die größer und dicker als Dominosteine sind. Beim Betrachten der Menschen fällt mir zum ersten Mal etwas auf: Die Kleinkinder haben Hosen an, die offen im Schritt sind. Manche Kinder haben ein dickes Windelpaket an und bei manchen Kindern guckt der blanke Po raus. Die Mütter schneiden den Kindern die Hosen im Schritt auf, weil es praktischer so ist.

Vom Rathaus aus fahren wir zum Eling Shan Park. Es nieselt mal wieder und wir laufen zügig durch den schönen Park. Unterwegs lasse ich meinen Namen auf Papier in Form von chinesischen Zeichen malen; ein hübsches Souvenir für € 1,--. Im Park steht eine neugebaute Pagode, die einfach nur hässlich ist. Aus Beton hat man hier versucht die Wildganspagode nachzubauen, aber das ist nicht gelungen. Neben der Pagode steht ein Teehaus und wir bekommen eine traditionelle Teezeremonie. Man unterscheidet zwischen grünem Tee, weißem Tee, gelben Tee, Oolong Tee, Pu-Erh Tee und rotem Tee. In China ist es absolut üblich, dass man Gäste mit Tee begrüßt. Die Zeremonie ist aufwendig und dauert sehr lang. Der Tee selbst hat mir ehrlich gesagt genauso gut geschmeckt wie bei uns zu Hause. Nach dem Tee fahren wir zum Mittagessen und es ist zum ersten Mal nicht lecker. Ich erspare mir die Details des Essens hier niederzuschreiben und streiche dieses Essen einfach aus meinem Gedächtnis. Nun geht es in die Fussgängerzone von Chongqing und wir bummeln eine Stunde hoch und runter. Es ist gerade ein Immobilienmarkt mit verschiedenen Anbietern von Wohnungen und wir betrachten uns die Grundrisse. Aufgrund des Staudammbaus und den damit verbundenen Zwangsumsiedlungen wird sehr viel Wohnraum benötigt. Die Lösung heißt hier: Hochhäuser so weit das Auge blickt. Alle alten Stadtviertel werden abgerissen und es entstehen Wohnviertel mit ewig hohen Häusern. Die Gropiusstadt in Berlin ist ein Klacks dagegen. Es ist wohl für jeden nachvollziehbar, dass die zwangsumgesiedelten Menschen aus dem Schluchtental hier nicht wirklich glücklich sind.

Um uns nun noch das traditionelle Chongqing zu zeigen fahren wir mit Isa zur Altstadt. Mama erlebt nun eine 1 Sterne Toilette: Toiletten in China heißen „Harmonie“ oder „Harmoniehalle“ und es gibt tatsächlich sogenannte Sternetoiletten. Eine 4 Sterne Harmonie bietet Papier und fließend Wasser. Die 1 Sterne Toilette, die meine Mama hier „besucht“ besteht nur aus Löchern im Boden (Hocktoiletten – in Asien üblich) und keine Trennwände. Man hockt sich halt hin und verrichtet seine Notdurft. Ich bin froh, dass ich keine Harmonie aufbauen muss, denn alleine die Hocktoiletten sind mir schon ein Graus. Die Altstadtgassen wuseln und leben. Hier finde ich ein wenig von dem, was ich mir so vorgestellt hatte vor der Reise. Überall wird Essen und Süssigkeiten angeboten. Auch Kunstgewerbe und allerhand Kitsch steht zum Verkauf bereit. Ich entdecke ein einsames Huhn, dass jemand mit einem Bindfaden angebunden hat. Das arme Huhn …

Wir verlassen die Altstadt und fahren zum Anleger unseres Kreuzfahrtschiffs. Die Zeit zum Einschiffen ist gekommen und ich freue mich sehr auf die dreitägige Kreuzfahrt. Wir betreten unser Schiff „MS Century Star“ und bekommen unsere Kabinen zugeteilt. Jede Kabine hat einen eigenen kleinen Balkon und ich nehme erst einmal alles genau unter die Lupe. Wie praktisch, dass ich eine Kabine für mich alleine habe, denn Staumöglichkeiten sind rar. Ich schmeisse meinen Koffer einfach auf das freie Bett und löse so das Platzproblem auf meine Weise. Nach dem Abendessen bekommen alle Passagiere auf dem Panoramadeck eine Einweisung zum Verhalten auf dem Schiff und Evakuierungsverhaltensregeln. Um 22:00 Uhr ist es dann so weit: Wir legen ab und fahren unsere erste Etappe von Chongqing nach Fengdu – Entfernung ca. 172 Kilometer. Unseren Absacker nehmen wir auf Deck 6 und unterhalten uns mit William (Xiao Shu Lin) und Jazzy (Yang Li). Meine erste Nacht auf dem Yangtze „Strom der Mitte“ beginnt gewöhnungsbedürftig: Bei jeder kleinen Kurve bilde ich mir ein aus dem Bett zu rollen, aber das ist natürlich nur Einbildung. Mit über 6.300 Kilometern ist der Yangtze der drittlängste Fluss der Welt.

Samstag, 06.03.2010

Ich erwache in meiner Kabine und stelle fest, dass wir gerade anlegen. Wir sind in Fengdu angekommen. Nach dem Frühstück holen wir uns unsere Bordpässe ab und verlassen das Schiff. Jeder Passagier, der das Schiff verlässt, braucht einen Bordpass. Nach der Rückkehr gibt man den wieder ab und so ist gewährleistet, dass die Crew weiß, ob und wer eventuell fehlt. Wir laufen die 140 Stufen hoch zur Hafenpromenade und steigen in die Busse. Unser Ziel ist die Schnee Jade Höhle, die man uns als die schönste Höhle Chinas anpreist. Diese Höhle wurde erst vor kurzem von Bauern entdeckt. Sie ist vermutlich vor 50.000 Jahren entstanden und erstreckt sich auf 1,6 Kilometer Länge. Der Weg zur Höhle führt am Berg entlang und nach der letzten Kurve sehe ich meine „alten Freunde“ aus Myanmar wieder: Affen sitzen am Berg und in den Bäumen. Aufgrund meiner Myanmar Erfahrungen mit Affen bleibe ich fern. In der Höhle sehen wir Tropfsteine in schönen Formen und Farben. Typisch chinesisch ist die Höhle bereits perfekt für die Touristen vorbereitet. Breite Betonwege führen durch die komplette Höhle und mir nimmt das den Reiz.

Zurück am Anleger werden wir von „Hello Hello“ Verkäufern und Bettlern empfangen. Ich flüchte zurück aufs Schiff. Ein Blick von meinem Balkon aus zeigt mir, dass Fengdu alles andere als schön oder gar reizvoll ist. Auch hier stehen nur Hochhäuser und Betonklötze am Ufer. Mir wird hier so richtig bewusst, was der Bau des Staudammes für Folgen nach sich gezogen hat. Durch den Bau wurden 13 Städte, 657 Fabriken und 23.793 Hektar Land überflutet. Es wurden ca. 2 Millionen Menschen umgesiedelt. Wir sind bereits 170 Meter hoch über dem damaligen Yangtze Verlauf. Den Nachmittag über bietet uns die Crew diverse Unterhaltungsmöglichkeiten an. Ich schnappe mir mein Buch und lese in der Panoramabar. Immer wieder schaue ich hoch und betrachte die vorbeiziehende Landschaft. So vergeht der Nachmittag recht gemütlich. Nach dem Cocktailempfang und dem Willkommensabendessen bietet die Crew eine Cabaret Show an. Wir schauen ein bisschen zu und gehen dann doch lieber in auf Deck 6 und spielen Canasta. Der erste Tag an Bord geht zu Ende und er war sehr erholsam.

Sonntag, 07.03.2010

Ausschlafen auf einer Gruppenreise ist eher ungewöhnlich, aber auf so einer Kreuzfahrt geht das dann schon mal. Ich stehe um 7:30 Uhr auf und das ist wie ausschlafen. Wir liegen am Anleger in Fengjie. Ein paar chinesische Frühaufsteher haben das Schiff bereits um 7:00 Uhr verlassen, denn sie besichtigen die weiße Kaiserstadt. Feng meinte, dass sich das nicht lohnt und hat uns ausschlafen empfohlen. Nach unserem Frühstück versammeln wir uns am Oberdeck und beobachten die Rückkehr der Ausflügler. Nachdem alle wieder an Bord zurück sind legen wir ab. Heute fahren wir in die Schluchten. Die erste Schlucht „Qutang Schlucht“ erreichen wir gegen 10:00 Uhr. Gegen 12:00 Uhr passieren wir die zweite Schlucht „Wu Schlucht“. Da es für das Sonnendeck zu kalt ist versammeln wir uns im Panoramadeck. Von hier aus sieht man auch wunderbar und man sitzt wenigstens warm. Nach dem Mittagessen legen wir in Badong an. Wir machen einen Ausflug zu den drei kleinen Schluchten auf dem Shennong Fluss. Durch die an manchen Stellen des Flusses sehr niedrigen Gewässer werden die Boote in alter Tradition an Seilen weitergezogen. Treideln nennt man das und auch wir werden als Touristenattraktion ein kleines Stück getreidelt. Durch die Aufstauung ist der Wasserstand inzwischen erheblich gestiegen und die alten Siedlungen der hier ansässigen Tujia wurden in höhere Gebiete verlagert. Wieder etwas zum Nachdenken zum Thema Staudamm.

Zurück an Bord machen wir uns frisch und werfen uns ein wenig in Schale. Heute ist Kapitänsdinner und anschließend eine Talentshow. Wer denkt Talent zu haben darf sich zum Affen machen. Feng singt für „seine“ Reisegruppe ein chinesisches Liebeslied und wir finde das sehr nett von ihm. Um 22:00 Uhr ist es dann so weit: Wir kommen am Damm an. Hell erleuchtet sehen wir ihn in der Dunkelheit vor uns. Die Einfahrt in die erste der fünf Schleusen beobachten wir vom Sonnendeck aus. Die Schiffschleuse besteht aus zwei separaten fünfstufigen Schleusen (280 Meter x 34 Meter x 5 Meter). Schiffe von 3.000 Bruttoregistertonnen bis 10.000 Bruttoregistertonnen können damit gehoben werden und somit ungehindert von Shanghai bis Chongqing fahren. Ein Schiffshebewerk ist derzeit noch im Bau. Viele LKW Fahrer nutzen die Schleuse. Das hat mehrere Gründe: 1.) ist die Schleuse kostenlos 2.) sparen die Fahrer Benzin, wenn sie auf dem aufgestauten Yangtze bis Chongqing fahren und 3.) können sie sich auf dieser Strecke an Bord der Fähre erholen. Wir brauchen die ganze Nacht zur Durchfahrt der fünf Schleusen und haben daher eine nicht ganz so ruhige Nacht.

Montag, 08.03.2010

Direkt nach dem Frühstück fahren wir mit dem Bus zum Damm. Wie bereits befürchtet sieht man nicht viel. Der Nebel ist wieder da und ich bin sehr enttäuscht. Trotzdem ist das hier ein beeindruckendes Bauwerk und ich kann mich der Faszination bei aller Kritik nicht entziehen. Der Damm ist 2.310 Meter lang und 185 Meter über NN hoch. Was mir neu ist: Eigentlich ist der erste Grund für den Dammbau der Hochwasserschutz gewesen. Jährlich sind mehrere tausend Menschen durch die Fluten des Yangtze ums Leben gekommen. In den letzten 15 Jahren vor dem Bau gab es sechs große Flutkatastrophen. Man wollte den Yangtze eindämmen um solche Katastrophen zu verhindern. Gleichzeitig wurde der Energiebedarf im Land immer größer. Kein Wunder, wenn man die Städte bei Nacht sieht. Chinesen lieben Licht und verwenden es mehr als nur großzügig. 75% des Strombedarfes wurde in China mit Kohlekraftwerken gedeckt. Dass das nicht gut ist für unser aller Umwelt leuchtet wohl jedem ein. Der Damm hat 26 Turbinen – weitere Turbinen sind bereits geplant. Im Moment liegt die Leistung dieser Turbinen bei 84 TWh/a. Ich habe keine Ahnung was ich mir darunter vorstellen soll, aber die Aussage, dass der Staudamm noch nicht mal den Energiebedarf von Shanghai decken kann gibt mir eine Vorstellung. Die Konsequenz ist der Bau von Atomkraftwerken und genau das tut man ja im Moment gerade wieder. Derzeit sind 9 Atomkraftwerke in China im Bau. Wir fahren vom Damm zurück zum Schiff und legen zum letzten Mal ab. Unsere letzte Etappe führt uns durch die Xiling Schlucht. Wir bekommen ein letztes Mittagessen an Bord und werden dann in Yichang ausgeschifft. Wir sind in den letzten drei Tagen ca. 600 Kilometer auf dem Yangtze unterwegs gewesen. Wirklich schade, dass das Sonnendeck an Bord nicht einmal seinem Namen Ehre machen konnte.

Von Yichang aus fahren wir mit dem Bus ca. 350 Kilometer und knapp 4 Stunden nach Wuhan. Als wir die Peripherie Von Wuhan erreichen halte ich die Augen auf nach der Hutch, aber ich sehe sie natürlich nicht. Es wäre auch ein kleines Wunder gewesen. Im Flughafen von Wuhan entdecke ich ferngesteuerte Hubschrauber und kaufe meinem Schatz so ein kleines Wunderwerk. Mit dem Hubschrauber unterm Arm geht es in den großen Flieger und wir heben ab gen Xi’An. Unser Flug dauert nur etwas über eine Stunde und nach ca. 800 Kilometern landen wir am Abend in Xi’An. Unsere örtliche Reiseleiterin heißt jetzt Yang und sie hat keinen europäischen Namen. Dafür war sie (im Gegensatz zu Feng und Isa) bereits in Deutschland und es hat ihr wohl auch gefallen. Mit Yang fahren wir in die Altstadt und checken gegen 22:30 Uhr ein. Wir sind müde und wollen nur noch ins Bett.

Dienstag, 09.03.2010

Ich wache auf und jubel los: Die Sonne scheint und der Himmel ist blau !! Ich liebe Xi’An !! Wir hatten bis jetzt nur kalt, grau und Regen und ich hab es so satt jeden Tag fünf Oberteile anzuziehen. Heute wage ich mich mit nur drei Oberteilen plus Jacke raus. Heute steht ein großes Highlight an: Wir fahren ca. 40 Kilometer nach Lintong zur Terrakotta Armee. Diese Armee wurde zufällig im März 1974 von chinesischen Bauern beim Bohren nach einem Brunnen entdeckt. Der Bau der gesamten Anlage begann wohl schon 221 vor Christi. Der Auftraggeber war der erste chinesische Kaiser namens Qin Shihuangdi und er wollte diese Armee für seine Grabanlage. Über den Tod hinaus wollte er den Schutz seiner Armee. Man vermutet, dass mehr als 700.000 Arbeiter am Bau beteiligt waren. Bis jetzt wurde nur ca. 1 Viertel der gesamten Armee freigelegt. Diese freigelegte Armee ist auf drei Gruben verteilt und besteht aus 7.278 lebensgroßen Soldaten. Diese sind mit Schwertern und Armbrüsten ausgestattet gewesen. Auch die Pferde wurden nachgestellt. Jede Figur hat ein anderes Gesicht. Es ist beeindruckend und ich stehe einfach nur da. In einer weiteren Halle stehen die beiden Marionetten der Olympiade 2008. Nachgebaut wurde ein Terrakotta Krieger und ein kleines chinesisches Mädchen. Der Krieger ist 7,20 Meter groß und das kleine Mädchen 4,50 Meter. Diese beiden Marionetten sind bei der Eröffnungsfeier durch das „Vogelnest“ (das Olympiastadion in Beijing) Hand in Hand gelaufen und haben das alte und das neue China symbolisiert. Die Terrakotta Armee wurde 1987 bei der UNESCO in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen. Im Museumsshop kaufe ich mir einen kleinen Krieger als Andenken. Mitten im Shop sitzt ein alter Mann, raucht Zigarre und gibt Autogramme. Wer ist das? frag ich mich und bekomme sofort eine Antwort: Das ist der Bauer, der die Armee entdeckt hat. Er hat hier einen Job auf Lebzeit gefunden. Papa filmt ganz ungeniert den alten Mann und sieht nicht, dass da groß und breit „No Photo, No Video“ steht.

Zum Mittagessen fährt man uns in ein Touristenrestaurant mit angegliederter Shopping Mall. Danach geht es zurück nach Xi’An. Wieder werden wir mit den Superlativen von China konfrontiert: Xi’An ist 9.983 Quadrat groß und hat ca. 8,5 Millionen Einwohner. Wenn man sich überlegt, dass z. B. Frankfurt am Main nur 667.000 Einwohner hat und damit die größte Stadt von Hessen und die fünftgrößte Stadt von Deutschland ist, dann merkt man schnell, dass China generell einfach größer ist. Rund um die Altstadt (auch Innere Stadt genannt) von Xi’An führt eine Stadtmauer, die zwischen 1374 und 1378 erbaut wurde. Sie ist insgesamt ca. 14 Kilometer lang und wir laufen jetzt auf ihr. Auf der Mauer kann man Fahrräder und auch Tandems mieten. Schade, dass wir so wenig Zeit haben. Es müsste reizvoll sein die gesamte Mauer einmal abzufahren. Die Mauer ist unten 18 Meter und oben 12 Meter breit. Hoch ist sie 12 Meter. Es gibt vier Tore (Nord-, West-, Ost- und Südtor), die früher mit Zugbrücken versehen waren. In der Mitte der Altstadt gibt es den Glockenturm und den Trommelturm. Früher wurden die Zugbrücken am Morgen nach dem Ertönen der Glocken des Glockenturms heruntergelassen und am Abend nach dem Ertönen der Trommeln des Trommelturms wieder hochgezogen.

Nach dem Besuch der Stadtmauer fahren wir noch eine kleine Runde durch die Stadt. Anschließend haben wir ein wenig Zeit zum frisch machen im Hotel und dann sind wir wieder unterwegs. Heute Abend gibt es traditionelles „Maultaschen Essen“. Maultaschen in China? Wir sprechen jetzt über Jiaozi und das ist ein chinesisches Teiggericht a la Maultasche oder Pirogge. Es soll wohl auch der Vorfahre der italienischen Ravioli sein. Insgesamt serviert man uns 16 Jiaozi und jedes hat eine anderen Füllung. Lustigerweise kann man anhand der Form bereits erahnen welche Füllung drin ist. Besonders hübsch sind die kleinen Entchenmaultaschen. Mir persönlich hat das alles sehr gut geschmeckt. Bis jetzt war es mit Abstand das leckerste Essen hier in China. Leider jagt uns Yang noch beim Genuss der letzten Jiaozi auf: Wir müssen weiter. Warum die Eile auf einmal geboten ist verstehen wir erst später. Wir fahren zur großen Wildganspagode. Hier finden jeden Abend Wasserspiele untermalt von Musik in verschiedenen Stilrichtungen statt. Es ist wunderschön und sehr beeindruckend. Im Hintergrund sehen wir die Wildganspagode, die wir morgen auf dem Programm haben. Auf dem Rückweg zum Hotel machen wir noch eine „Lichtfahrt“. So nennt Yang die nächtliche Stadtrundfahrt und wenn man all die Lichter an den Gebäuden, Bäumen und Plätzen sieht, dann versteht man das schnell. Ein Absacker in der Hotelbar geht noch und dann muss ich in meine Heia. Meinen gekauften Terrakotta Krieger habe ich auf den Nachtisch gestellt und ich fühle mich gut bewacht.

Mittwoch, 10.03.2010

Der frühe Vogel fängt den Fisch: Wir sind wieder aus dem Bett gefallen und bereits unterwegs zur großen Wildganspagode. Der Geschichte nach wurde diese Pagode von Mönchen aus Dankbarkeit an eine Wildgans erbaut. Die Mönche hatten Hunger und keine Nahrung mehr zur Verfügung. Da flog ein Schwarm Wildgänse über das Kloster und eine Wildgans erkannte den Hunger der Mönche. Sie landete und opferte sich. Darüber waren die Mönche so erfreut, dass man aus Dankbarkeit die Pagode erbaute. Die wunderschöne Pagode wurde übrigens im Jahre 652 im Hof des „Klosters der Großen Wohltätigkeit“ erbaut.

Unterwegs auf den Strassen sehen wir Kalligraphie Zeichen auf dem Asphalt der Bürgersteige. Yang erklärt uns, dass Papier, Tinte und Pinsel teuer sind. Zum Üben geht auch ein Besen, Wasser und der Asphalt. In den Parkanlagen treffen sich alte Männer und hängen ihre Vogelkäfige in die Bäume. Die Käfige werden aufgedeckt und die Tiere singen. Ein in China übliches Hobby für ältere Männer, aber irgendwie schon ziemlich seltsam.

Als nächstes steht mal wieder der Besuch einer staatlichen Fabrik an. Diesmal handelt es sich um die Jadeschleiferei. Unsere Kaufbereitschaft hat inzwischen etwas nachgelassen. Es werden zwar wirklich wunderschöne Dinge angeboten, aber alles, was mir gefallen würde kostet dann auch dementsprechend und daher lasse ich es sein. Nun fahren wir zum Stelenwald bzw. zum Museum für Stelen und Steinskulpturen. Stelenwald wird es genannt, weil die Stelen wie Bäume in großen Mengen in dieser Parkanlage stehen und so an einen Wald erinnern. Man findet hier über 3.000 Stelen, die alle sehr alt sind. Die ältesten Stelen sind bereits im Jahre 1.087 in die Sammlung gekommen. Mir persönlich war das zu langweilig, aber das Schlendern durch die Parkanlage hat mir Spaß gemacht. Auf einem schwarzen Stein lasse ich mich nieder und strecke mein Gesicht in die Sonne.

Das Mittagessen nehmen wir heute direkt in der Innenstadt in Sichtweite zum Glockenturm ein. Vom Restaurant aus laufen wir am Trommelturm vorbei zum muslemisches Viertel mit Moschee. Wenn man jetzt an die klassische Moschee mit Minarett denkt, dann ist man hier in Xi’An falsch: Tatsächlich ist die Moschee im gleichen Baustil wie die Pagoden und Tempelanlagen der Chinesen. Ein typisch chinesischer Pavillon ist hier das Minarett. Der Anteil der Muslime in Xi’An ist recht hoch. Das spiegelt sich auch wieder in den engen Gassen rund um die Moschee. Es geht zu wie auf dem türkischen Basar und wir können nicht wiederstehen: Für kleines Geld kaufen wir zwei Fleece Jacken von Gucci und Timberland. Wir lachen uns schlapp über das Etikett in der Gucci Jacke. Da steht doch tatsächlich „Made in Italia“ und an der Seite auf dem Etikette steht „Made in China“. Wenn man in China kopiert, dann wenigstens konsequent. Nach Moschee und Basar haben wir ein wenig Freizeit. Wir besuchen eine supermoderne Shopping Mall und vergleichen mal wieder die Preise. Das Ergebnis ist wie bereits in Shanghai entdeckt: Die meisten Produkte sind teurer als bei uns. In der Sonne und windgeschützt trinken wir bei Starbucks einen Kaffee im Freien. Das Wetter ist heute wirklich schön.

Der Abend steht uns zur freien Verfügung und wir machen uns mit ein paar Mitreisenden zusammen auf den Weg zum Abendessen. Unterwegs haben wir ein Restaurant namens Edelweiss entdeckt und da wollen wir hin. Was sich wohl dahinter verbirgt? Wir betreten das Edelweiss und stellen sofort fest: Es handelt sich um ein ganz typisches chinesisches Restaurant. Man spricht noch nicht mal Englisch und auch kein Deutsch. Die Speisekarte enthält Bilder und das hilft uns schon sehr. Wieder mache ich Skizzen für Gabel und Löffel und mit vereinten Kräften bestellen wir unser Essen. Wie man auf die Idee gekommen ist das Restaurant Edelweiss zu nennen können wir nicht ergründen, aber wir haben an diesem Abend und in dieser Runde sehr viel Spaß.

Donnerstag, 11.03.2010

Heute endlich ist es soweit: Wir fliegen nach Beijing !!! Der Flug ist ruhig und ich habe zum Glück einen Fensterplatz. Nach ca. 1.000 Kilometern erreichen wir die Peripherie von Peking. Die Vororte und Vorvororte sehen von oben aus wie die Modelle von Architekten. Man kann ganz deutlich erkennen, dass die Vororte von Peking am Reißbrett entworfen wurden. Peking ist 120 Kilometer auf 180 Kilometer groß. Es gibt hier 6 Ringstrassen zwischen der äußersten Stadtgrenze und der inneren Stadt. In Shanghai gibt es „nur“ 3 Ringstrassen. Beijing bedeutet „nördliche Hauptstadt“ und hat eine über dreitausend Jahre alte Geschichte. Die Einwohnerzahl liegt etwa bei ca. 15,5 Millionen. Um dem Verkehrschaos Herr zu werden hat man eine Regelung eingeführt: Montags dürfen die Kennzeichen, die mit 1 und 7 enden nicht fahren, dienstags ist dann die 2 und die 8 dran und so weiter. Es ist nicht spürbar, dass das etwas gebracht hat. Peking wächst und verändert sich so schnell, dass man hier alle drei Monate einen neuen Stadtplan veröffentlicht. Am Flughafen werden wir von unserem örtlichen Reiseleiter Pan empfangen. Sein europäischer Name ist Jürgen. Warum erklärt er uns gleich: „Ich bin ein großer Fan von Ihrem Jürgen Klinsmann und habe daher als meinen europäischen Namen Jürgen gewählt.“ Später erzählt er mir, dass er tatsächlich nur deswegen Germanistik studiert hat, weil er 1.) deutsche Autos und 2.) Fußball und Klinsmann gut findet.

Vom Flughafen aus fahren wir zum Sommerpalast, der auch bereits auf der UNESCO Weltkulturerbe Liste steht. Der Sommerpalast wurde mehrfach zerstört und zuletzt von Cixi wieder aufgebaut. Cixi hat diesen Palast geliebt und sich – wann immer sie konnte – hier aufgehalten. Die Parkanlage ist riesig und man bräuchte Tage um alles zu sehen. Wir laufen ein wenig am Ufer des Kunming-Sees entlang, sehen von weitem die Siebzehn-Bogen-Brücke, spazieren durch den 728 Meter langen Wandelgang und erreichen schließlich das Marmorboot. Zu mehr reicht unsere Zeit leider nicht. Auf dem Weg zum Ausgang überqueren wir noch die Gaoliangbrücke und dann sind wir auch schon wieder draußen. Das ist halt der Nachteil einer Gruppenreise: Wenn die Herde rennt, dann rennen alle …

Unser letztes Hotel hat eine beeindruckend schöne, hohe Lobby und ich werde mehrfach angesprochen, dass man hier wunderbar den in Wuhan gekauften Helikopter ausprobieren könnte. Nein, das will ich nicht. Den soll mein Schatz auspacken und zum Jungfernflug starten. Im Gegensatz zur Lobby sind die Zimmer nicht so beeindruckend. Teilweise sind sie sogar schäbig. Ich selbst habe Glück: Mein Zimmer ist okay, aber der Gully im Badezimmer riecht unangenehm. Ich behelfe mir mit der Badematte und verschließe den Stinker damit. Nun steht einer angenehmen Nachtruhe nichts mehr im Weg.

Freitag, 12.03.2010

Schon sehr früh am Morgen starten wir nach einem sehr ausgiebigen Frühstück. Wir fahren nach Badaling, denn wir besteigen heute die große Mauer. Nach ca. 1 Stunde Fahrt ist das Ziel erreicht. Der Himmel ist blau und die Sonne scheint. Genau das richtige Wetter um traumhaft schöne Mauerbilder zu machen. Dass der Wind eiskalt bläst sieht man nur an unserer Kleidung und den geröteten Gesichtern. Die Mauer ist steil und teilweise gar nicht so einfach zu besteigen, aber wir gehen vorsichtig voran und erobern Meter für Meter. Beim Eingang muss man sich entscheiden, ob man links oder rechts auf die Mauer geht. Feng und Pan haben uns den Tipp gegeben: Links ist weniger los, denn es ist steiler. Dieser Tipp war gut, denn wir sind fast alleine auf dem Teilstück unterwegs. Auf der anderen Seite wuselt es ganz heftig, aber dafür ist es auch nicht so steil. Die Errichtung der Mauer begann im 5. Jahrhundert vor Christi und die Länge betrug wohl einmal 8.850 Kilometer. Heute noch erhalten bzw. begehbar sind etwa 3.100 Kilometer. Wir selbst sind auf dem bekanntesten Mauerabschnitt unterwegs, denn hier in Badaling wurde sie perfekt restauriert. Es ist übrigens nicht wahr, dass man die Mauer aus dem Weltall mit bloßem Auge sehen kann. Nach ca. 1 Stunde auf der Mauer sind wir durchgefroren und auch ein wenig geschafft. Wir beschließen uns in einer Teestube mit Shop zu stärken und natürlich kaufen wir uns auch T-Shirts mit

„I climbed the Great Wall!“

Auf dem Rückweg von Badaling zu den Ming Gräber halten wir zum Mittagessen an. Es wäre nicht China, wenn beim Restaurant nicht „zufällig“ wieder eine große Verkaufsausstellung wäre. Man muss sich das so vorstellen: Es wird eine riesig große Verkaufshalle gebaut und im Obergeschoss integriert man ein Restaurant. Um zum Restaurant zu gelangen muss man durch die komplette Verkaufsetage, denn der Aufgang zum Restaurant ist verkäuferfreundlich am anderen Ende der Halle. Ein wirklich cleveres Konzept und es funktioniert auch, wie man unschwer an den Einkaufstaschen mancher Reisender sehen kann. Ich bin standhaft und kaufe nichts. Weiter geht es nun zu den Ming Gräber, die ungefähr in der Mitte zwischen Badaling und Peking liegen. Diese Grabstätte wurde 1409 von Kaiser Yongle angelegt, der auch die verbotene Stadt errichten ließ. Nach dem Tod seiner Frau wählte er diesen Ort als Mausoleum und gab ihm den Namen Changling. Bis zum Ende der Ming Dynastie im Jahre 1.644 wurden hier 13 der 16 Ming Kaiser begraben. Die komplette Anlage ist 80 Quadratkilometer groß am Fuße des Tianshou Berges. 2003 wurde die Grabanlage ebenfalls in die UNESCO Liste aufgenommen.

Von den Ming Gräber aus fahren wir nur ca. 5 Minuten mit dem Bus und erreichen dann auch schon die „Heilige Allee“ bzw. „Den Weg der Seelen“. Diese Allee ist 1.700 Meter lang und rechts und links mit Steinfiguren gesäumt. Wenn man in Richtung Grabanlage läuft, dann sitzen bzw. stehen 12 Tierfiguren abwechselnd neben der Allee. Es beginnt mit dem sitzenden Löwen, gefolgt von dem stehenden Löwen. Und so zieht es sich durch wie ein roter Faden: Sitzendes Kamel, stehendes Kamel, sitzender Elefant und so weiter. Nach den 12 Tierfiguren kommen 6 Figuren, die Offiziere in verschiedenen Ranghöhen darstellen. Nein, die sind nicht im Sitzen und im Stehen dargestellt: Sie stehen alle.

Auf dem Weg zurück ins Hotel halten wir kurz am Olympia Stadion an. Wir bewundern das „Vogelnest“. Es ist architektonisch wirklich gelungen und unsere schweizerischen Mitreisenden registrieren mit eidgenössigem Stolz, dass der Architekt ein Schweizer war. Der Entwurf stammte von Herzog & de Meuron und dieses Architekturbüro hat auch die Münchner Allianz Arena entworfen. Der Komplex ist 330 Meter lang, 220 Meter breit und 69,2 Meter hoch. Unsere Zeit ist leider knapp bemessen: Ein paar Fotos können wir machen, aber dann müssen wir weiter. Fakultativ wird heute Abend eine Kung Fu Show angeboten und die Reisenden, die daran teilnehmen möchten, sollen sich noch frisch machen können. Wir „Nicht Kung Fu‘ianer“ verbringen einen gemütlichen Abend zu Fünft im Hotelrestaurant. Für umgerechnet € 15,-- gibt es ein riesiges Büffet und alle Getränke ohne Ende. Wir schlemmen und genießen die riesige Auswahl.

Samstag, 13.03.2010

Wieder klingelt der Wecker um 06:00 Uhr, denn wir haben heute ein straffes Programm. Der letzte Tag der Rundreise ist angebrochen und heute soll es nun endlich wahr werden: Ich werde auf den Spuren von Cixi wandeln. Wir betreten die verbotene Stadt von hinten, denn bis dahin sind die Massen noch nicht vorgedrungen. Ein cleverer Trick von Pan, denn wir laufen durch die Höfe fast alleine. Je weiter wir nach vorne kommen umso mehr Menschen strömen uns entgegen. Beim Betreten des Wohnhofes von Cixi bekomme ich dann doch ein wenig Augenpipi, denn immerhin habe ich den Wunsch zum Besuch der verbotenen Stadt seit ca. 30 Jahren. Andächtig bestaune ich alles und freue mich wie ein kleines Kind. Mit dem Bau der verbotenen Stadt wurde im Jahre 1406 begonnen. Wie bei den Ming Gräbern bereits erwähnt war der Auftraggeber Yongle, der dritte Ming Kaiser. Um einen schnellen Baufortschritt zu erreichen, wurden bis zu eine Million Sklaven und mehr als 100.000 Kunsthandwerker auf die Baustelle gebracht. Tatsächlich soll die Anlage bereits 1420 fertiggestellt worden sein. In der verbotenen Stadt haben in all den Jahren immer Kaiser gelebt. Der letzte Kaiser Pu Yi wurde erst im Jahre 1924 aus der verbotenen Stadt verbannt. Die Grundfläche ist 720.000 Quadratmeter groß. Es befinden sich 890 Paläste und unzählige Pavillons auf dem Gelände. Die Zahl des Kaisers war ja die 9 und daher gibt es in der gesamten verbotenen Stadt 9.999 ½ Räume. Der ½ Raum ist symbolisch zu betrachten, denn nur der Himmel durfte einen Palast mit 10.000 Räumen haben. Die „Söhne des Himmels“, sprich die Kaiser mussten sich daher mit 9.999 ½ zufrieden geben. Es wird wohl schlimmeres gegeben haben …

Wir verlassen die verbotene Stadt durch den Vordereingang, durch den Massen von Menschen in die Stadt hineinströmen. Vor uns liegt nun der „Platz des himmlischen Friedens“. Er ist mit 39,6 Hektar Fläche der größte befestigte Platz der Welt und bei uns besonders durch das Massaker aus dem Jahre 1989 bekannt. Damals demonstrierte die Demokratiebewegung und die Regierung ließ Panzer auffahren. Damals starben etwa 3.000 Menschen. Zwischen dem Eingang zur verbotenen Stadt und dem Platz ist eine breite Straße. Das ist die Paradestrasse für die Militärparade zum Jahrestag der Gründung der Volksrepublik China. Die Strasse ist „bescheidene“ 40 Kilometer lang. Die Parade findet nur alle 10 Jahre am 01. Oktober statt. Wir kleckern nicht in China: Wir klotzen! Mein täglicher Weg zur Arbeit ist 40 Kilometer lang. Wir können nicht über den Platz laufen, denn er ist gesperrt. In der „Großen Halle des Volkes“ tagt die Partei und dann ist rund herum alles gesperrt. Wir laufen parallel zum Platz in Richtung Mao Mausoleum. Mao Zedong ist trotz all der negativen Aspekte seiner Herrschaft dennoch in China angesehen, denn er hat die Volksrepublik ausgerufen. Dass während seiner Herrschaft mehrere zehn Millionen Menschen starben spricht man nicht aus.

Unsere nächste Station ist der Besuch einer chinesischen Apotheke. So zumindest steht es in unserem Reisverlauf. Tatsächlich fährt man uns zu einer Art Praxisklinik und dort bekommen wir einen Einblick in die chinesische Heilmedizin. Unser mitreisender Arzt schaut ein wenig fassungslos dem Spektakel zu. Schnell wird mir klar, dass das hier nichts für mich ist. Man will uns unbedingt chinesische Tabletten zu Wucherpreisen verkaufen. Glaube versetzt ja bekanntlich Berge und ich bin der medizinischen Heilkunst gewiss nicht abgeneigt, aber was man hier mit uns machen möchte ist in meinen Augen Abzocke. Eine Pillenkur für 3 Monate mit zwei Präparaten kostet umgerechnet ca. € 300,-- und das auch nur jetzt und hier und heute. „Nein, online bestellen kann man das nicht, aber selbstverständlich nehmen wir Kreditkarten.“ Es wird Zeit für das Mittagessen und noch während dem Essen gibt es heiße Diskussionen zwischen den Käufern und den Nichtkäufern der Pillen.

Die letzte gemeinsame Etappe des heutigen Tages ist der Besuch des Himmelstempels. In diesem Tempel haben die Kaiser jedes Jahr für eine gute Ernte gebetet. Er ist das Wahrzeichen von Peking / Beijing. Wer war der Erbauer? Richtig: Es war mal wieder unser alter Freund Kaiser Yongle und das ganze wurde im Jahr 1420 erbaut. Der Gute hat echt mächtig viel Geld ausgegeben. Beeindruckend ist die Tatsache, dass der Himmelstempel ohne Schrauben, Dübel oder ähnliches errichtet wurde. Der Park rund um den Tempel ist Volktreffpunkt. Man trifft sich zum Tai Chi, zum Singen und Tanzen, zum Karten spielen und zum Mah-Jongg. Hier pulsiert das Leben und das gefällt mir mindestens so gut wie der Tempel selbst. Nach dem Besuch des Himmelstempels verabschiedet sich knapp die Hälfte der Reisegruppe. Der offizielle Reiseverlauf ist zu Ende, aber man bietet uns fakultativ weitere Highlights an. Da ich vermutlich nie mehr in meinem Leben nach China kommen mache ich das natürlich mit.

Wir steigen um in Rikschas und fahren durch ein sehr altes und noch vollständig bewohntes Wohnviertel. Diese Viertel muss man inzwischen in Peking suchen, denn man hat die Meisten abgerissen und durch Hochhäuser ersetzt. Aber zwischenzeitlich hat man erkannt, dass man damit sehr viel chinesische Kultur und Tradition zerstört hat und will die noch vorhandenen Wohnviertel erhalten. Wir dürfen eine alte Dame besuchen und werden von ihr mit Tee empfangen. Pan übersetzt und wir stellen Fragen. Die alte Dame ist 80 Jahre alt und lebt seit 56 Jahren in dieser Wohnung. Im Viertel gibt es immer Zugänge zu kleinen Innenhöfen und von diesen Innenhöfen aus gelangt man in vier Wohnhäuschen. Die Wohnung, in der wir nun sitzen ist klein, aber sie hat eine Küche, ein Wohnzimmer und ein Schlafzimmer. Früher hat die Dame hier mit ihrem Mann, ihrem Sohn und ihrer Tochter gewohnt. Die Kinder haben nun selbst Kinder (Der Sohn hat eine Tochter und die Tochter einen Sohn, berichtet sie uns voller Stolz) und wohnen in der Nähe, aber nicht in einem traditionellen Wohnviertel. Ihr Mann lebt nicht mehr. Heute hat sie viel Platz, aber es muss sehr eng gewesen sein mit der gesamten Familie. Ein Badezimmer oder eine Toilette gibt es in der Wohnung nicht. Man muss zur öffentlichen Harmoniehalle und behilft sich nachts mit einem Nachttopf. Zum Baden geht man in eine öffentliche Badeanstalt. „Würde sie umziehen wollen, wenn man ihr eine Neubauwohnung in einem Hochhaus anbieten würde?“ Nein, niemals: Hier im Viertel hat sie ihre sozialen Kontakte und die Nachbarn achten aufeinander.

Schwer beeindruckt besteigen wir wieder unsere Rikschas und fahren zur alten Fussgängerzone. Hier steht das erste Kino Chinas und hier findet man Geschäfte, die es bereits seit 600 Jahren gibt. Und genau hier sehe ich das, was ich mir von China erwartet hatte. Ich bin ja mit so falschen Vorstellungen in dieses Land gereist. Zum krassen Gegensatz fahren wir anschließend in die neue, moderne Fussgängerzone. Hier ist eine wahre Fressmeile an Garküchen zu bewundern und die Mutigen testen auch. Es gibt Nichts was es nicht gibt: Seidenraupen, Tausendfüßler und Käfer sind das harmloseste. Heftiger sind die Skorpione, Seepferdchen, Seeigel und Seesterne. Man glaubt kaum, dass das Delikatessen sind und mir hebt es schon das eine oder andere Mal den Magen. Ein Mitreisender testet mutig Schlange am Spieß und ist recht begeistert: „Schmeckt wie Aal!“ Es gibt eine Aussage über das Essen: „Wir essen alle, was fliegt – außer Flugzeuge. Wir essen alles, was vier Beine hat – außer Tische und Stühle. Wir essen alles, was schwimmt – außer U-Boote.“ Kann ich bestätigen … Wir laufen auf eigene Faust los, denn wir haben eine Stunde „Freigang“. Hunger haben wir schon, aber wenig Lust auf die Spezialitäten der Garküchen. Auch von Reis und Co. haben wir – vor allem Papa und ich – die Nase voll. Man traut es sich ja kaum zu schreiben, aber wir waren bei Mc Donald und es war einfach köstlich. Zurück im Hotel genießen wir noch einen Absacker an der Bar und dann wird es Zeit für die letzte Nacht in Beijing. Besonders die Tage hier waren anstrengend und vollgepackt, aber auch schön und interessant. Und mit dem Wetter hatten wir hier richtig Glück. Das muss am Kauf der Gucci Fleece Jacke gelegen haben.

Sonntag, 14.03.2010

Heute ist nur noch Ausschlafen und Koffer packen angesagt. Ich stehe um 08:00 Uhr auf, schaue aus dem Fenster und kann es nicht glauben: Es schneit dicke Flocken und Beijing ist weiß. Es sieht wunderschön aus, aber ich bin froh, dass wir heute kein Programm mehr haben. Bei so einem Wetter durch die Sehenswürdigkeiten laufen macht keinen Spaß. Nach dem Frühstück fahren wir zum Flughafen und checken ein. Wir verabschieden uns von Pan und auch von Feng. Er fliegt nach Hause nach Shanghai. Feng hat uns wunderbar die gesamte Reise über begleitet und uns sein Land sehr gut präsentiert. Auch kritische Fragen wurden teilweise beantwortet, aber nicht auf alle Fragen konnte oder wollte er antworten.

Ein letzter Einkauf in den diversen Shops, ein Besuch im Duty Free und dann sind die letzten RMB ausgegeben. Wir gehen zum Terminal und checken pünktlich ein. Was dann folgt ist ein Alptraum: Wir sitzen im Flieger und warten und warten und warten … Nach sage und schreibe 5 Stunden im stehenden Flieger erhalten wir endlich die Starterlaubnis und mir ist inzwischen alles vergangen. Aus dem Tagflug, auf den ich mich gefreut hatte, wird ein Nachtflug. Mein Hinterteil tut mir bereits beim Start weh und ich verkneife mir jeden Gedanken an die 11 Stunden Flug, die jetzt noch vor uns liegen. Vollkommen übermüdet und gerädert landen wir mit riesiger Verspätung in Frankfurt und ich stelle fest: Das einzig Negative an dieser Reise war der Rückflug.

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