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08.02.2009 von Bangkok nach Yangon

Am Flughafen von Bangkok ist bei der Immigration das totale Chaos ausgebrochen und die Beamten vor Ort haben die Ruhe weg. So viele Menschen und so wenig offene Schalter: Nur noch knapp erreichen wir den Flieger nach Yangon und fallen erleichtert auf unsere Sitze.

Bei unserer Ankunft auf dem Flughafen von Yangon sieht man bereits erste Unterschiede. Der Flughafen ist klein und in zwei Bereiche unterteilt: Es gibt den internationalen Bereich, der sehr ansprechend und geordnet wirkt und daneben den nationalen Bereich. Der nationale Bereich erinnert mich stark an eine laute und dreckige Baustelle.

Nach dem die Einreiseformalitäten erledigt wurden und ich zum ersten Mal mein geübtes Mingalaba („Möge Segen über Dich kommen“) loswerden konnte treffen wir auf Mimi, unsere deutschsprechende, burmesische Reiseleiterin mit bayrischem Akzent. Gemeinsam fahren wir durch Yangon zu unserem Hotel. Es folgt das Check in und das gemeinsame Mittagessen im Hotel Kandawgyi Palace.

Nach dem leckeren Essen starten wir unsere erste Besichtigungstour mit dem Bogyoke Aung San Markt (Scotch Markt). Dieser Markt trägt den Beinamen Scotch Markt aufgrund der englischen Besatzungszeit von 1945 bis 1948. Der größte Markt der Stadt liegt an der gleichnamigen Straße am nördlichen Ende der Shwe Bontha Street. Über 1.000 Stände – sehr große Auswahl an Handwerkskunst - geöffnet ab 10:00 Uhr. Auch nur ein Bummel zwischen den verschiedenen Marktständen ist sehr interessant und abwechslungsreich. Handeln nicht vergessen !!

Weiter geht es zur Botataung Pagoda. Zum ersten Mal ertönt der Ruf von Mimi „Schuhe aus, Strümpfe aus!“, denn in allen Pagoden und generell an allen heiligen Stätten gilt Barfuß laufen. Dieser Ruf wird uns die nächsten Tage ständig begleiten ;-) Die Botataung Pagoda ist eine Mischung aus Pagode und Tempel. Daher ist es für uns möglich, die Reliquienkammer zu besichtigen. Der schmale Gang, welcher zum Allerheiligsten führt, ist über und über mit Glasmosaiken und Goldplättchen verkleidet. Vor Raub und Diebstahl sind die wertvollsten Reliquien doppelt mit Gittern gesichert, was das Betrachten etwas erschwert. Auf dem Tempelgelände ist ein größeres Wasserbecken besonders erwähnenswert. In ihm schwimmen unzählige Schildkröten, welche von den Gläubigen, in der Hoffnung auf ein langes Leben, ausgiebig gefüttert werden.

Unser nächstes Ziel ist die Kyaukhtatgyi Pagoda mit dem liegenden Buddha. Der liegende Buddha ist 72 Meter lang. Er wurde 1966 rekonstruiert und genießt bei den Gläubigen hohes Ansehen. Auf den Fußsohlen eines Buddha sind fast immer die 32, 108 oder auch 132 glücksbringenden Symbole des Buddha zu sehen, die sich aber in nahezu allen Darstellungen unterscheiden. Eines ist jedoch allen gemeinsam: In der Mitte befindet sich immer das Dharmachakra. Rund um das Dharmachakra sind eine Vielfalt von Figuren zu sehen, die zum Teil königliche Insignien darstellen, zum Teil aber auch mythologischen Ursprungs sind. Nach dem wir in Bangkok bereits den goldenen liegenden Buddha Wat Po besichtigt hatten ist dieser hier nicht ganz so prachtvoll, aber dennoch beeindruckend. Schade aber, dass keiner von den barfüßigen Gläubigen mal nen Staubwedel in die Hand nimmt und den guten Liegenden mal abstaubt.

Und dann kommt mein erstes Highlight und einer der Besichtigungspunkte auf die ich mich persönlich am meisten gefreut habe: Wir besuchen die weltberühmte Shwedagon Pagoda. Durch den Zyklon Nargis (Mai 2008) wurde die Shwedagon Pagoda beschädigt und daher stelle ich enttäuscht fest, dass die Spitze der Pagoda mit einem Bambusgerüst eingerüstet ist. Da komm ich einmal in meinem Leben nach Yangon und dann das … Die Pagoda ist trotzdem beeindruckend schön und wir stehen gebahnt vor dem goldenen Anblick. Um uns herum sind sehr viele Gläubige, die beten und ihren religiösen Ritualen nachgehen. Wir Touristen sind in der absoluten Minderheit. Die Shwedagon ist der wichtigste Sakralbau und das religiöse Zentrum von Yangon. Sie ist das Wahrzeichen des ganzen Landes und einer der berühmtesten Stupas der Welt. Der Legende nach ist die Pagoda mehr als 2.500 Jahre alt.

Zum Abendessen gibt es ein Theaterprogramm mit Musik und es ist einfach nur zum davonlaufen fürchterlich …

09.02.2009 von Yangon an den Inle See

Wir checken aus und fahren zum Flughafen. Heute sind wir im nationalen Bereich – siehe oben – vom Flughafen. Mit Air Bagan geht es von Yangon mit Zwischenlandung in Mandalay nach Hejo. Wir werden von Kofferträgern und Masseuren auf dem staubigen Parkplatz empfangen und der eine oder andere aus der Gruppe genießt eine schnelle Massage. Es folgt der Bustransfer an den Inle See (ca. 40 km im Bus = 2 Stunden Fahrt auf Schotterpisten).

Der Inle See ist ein Süßwassersee im Shan Staat. Er ist bekannt durch seine Einbeinruderer und schwimmenden Dörfer und Gärten. Das Leben dieser Menschen ist völlig auf den See ausgerichtet. Der See hat eine Nord-Süd-Ausdehnung von circa 22 km und eine Ost-West-Ausdehnung von maximal 10 km. Der See liegt auf 875 m über Normalnull und hat eine Oberfläche von durchschnittlich 12.000 Hektar. Innerhalb des Sees und am Seeufer gibt es insgesamt 17 Dörfer, welche überwiegend von der Intha Bevölkerung bewohnt sind. Die Häuser sind auf Pfählen gebaut. Insgesamt wohnen hier 70.000 Menschen. Die Bevölkerung baut Gemüse, Früchte und Blumen an. Viele der Kulturen werden auf schwimmenden Feldern bestellt. Basis dieser schwimmenden Felder ist eine sehr fruchtbare feste Masse bestehend aus Sumpf, Erde und Wasserhyazinthen, die mittels Bambuspfählen am Seeboden befestigt sind. Die Fortbewegung in den schmalen Kanälen der Ortschaften, auf den Feldern sowie in Ufernähe erfolgt in schmalen Kanus. Typisch für den See ist die hier angewendete Bein-Rudertechnik. Der Rudernde steht am Heck des Bootes. Werden die Hände beispielsweise beim Fischen benötigt, so wird ausschließlich mit dem Bein gerudert, indem das Ruder mit dem Bein eingeklemmt wird. Für große Strecken auf dem See sind heute jedoch nur die größeren Boote mit Außenbordmotor erlaubt. Seit 1985 ist der Inle-See offizielles Vogelschutzgebiet.

 

 

 

Vom Bootsanleger in Nyaungshwe geht es auf die Boote und zur Fahrt über den See an das Hotel Paradise Inle Resort. Einchecken, Koffer abwerfen und weiter geht es per Boot zum Mittagessen nach Nam Pan.

Der Nachmittag beginnt mit der Besichtigung der Schmiede und ich fühle mich schlagartig in die tiefste Vergangenheit zurückversetzt. Mit einfachen Werkzeugen und purer Muskelkraft wird hier noch geschmiedet. Von der Schmiede aus geht es zu Seidenweberei In Paw Khone. Wunderschöne Stoffe werden hier hergestellt mit Webstühlen, die man bei uns nur noch im Museum zu Gesicht bekommt. Frauen aller Altersgruppen arbeiten und lachen hier zusammen. Im Shop nebenan bekommt man Tücher, Oberteile, Hemden, Taschen etc. aus den gewobenen Stoffen zu Preise, die man kaum glauben kann. Weiter geht es zu einer Zigarrenmanufaktur. Die Zigarren vom Inle See bestehen aus Bananenblättern, Kräuter und sonst nichts und sie schmecken tatsächlich gut. Wir kaufen ein Bündel als Souvenir und zum Verteilen in Deutschland.

Nächste Etappe ist in Nam Hu die Phaung Daw Oo Pagoda. Bekannt ist dieses Kloster im Zusammenhang mit dem Phaung Daw Oo Pagoda Fest immer im September / Oktober. Dann werden die Buddha Abbilder von der Pagode auf einer fürstlich geschmückten Barke um den See gefahren und machen an jedem Dorf Station um den Gläubigen Gelegenheit zur Huldigung zu geben. Das Fest ist farbenreich und voll ursprünglicher Einflüsse, gleichzeitig finden Tänze, Bootrennen und generelles Amüsement statt. Jetzt im Februar bleibt uns nur die Bewunderung der Buddha Abbildungen im Kloster. Weiter geht es zu den springenden Katzen im Kloster von Ywama. Hier war mal einem Mönch „langweilig“ und er kam auf die glorreiche Idee, dass er Katzen durch Ringe hüpfen lassen könnte. Jeder Katzenbesitzer wird mir Recht geben: Das geht nicht! Falsch: Es geht und wir haben es erlebt ;-)

Nach so vielen Eindrücken bleibt für den Abend nur noch das Abendessen im Hotel und ein Absacker an der Hotelbar und dann fallen wir todmüde ins Bett.

10.02.2009 vom Inle See nach Mandalay

Nach dem Frühstück werden unsere Koffer auf die Boote gebracht und wieder geht es los über den See. Wir besuchen den Floating Market bei Ywama und bewundern all die Sorten von Obst und Gemüse, die hier auf dem See angebaut werden. Unser nächster Stop ist so gar nicht nach meinem Geschmack: Wir halten in Nga Phe Chaung und dort führt man uns die Langhalsfrauen vor. Menschlicher Zoo ist nicht meine Welt und ich verweigere mich.

Nach einer Fahrt von ca. 1 Stunde durch einen Kanal vom See weg kommen wir in Indein an. Indein ist ein typisch burmesisches Dorf und hat außerdem noch 1.045 halb verfallene Stupas zu bieten. Wir schlendern durch diese Ruinen und uns umgibt ein sehr mystisches Gefühl. In Deutschland hätte man das gesamte Gebiet weiträumig gesperrt, weil man Angst hätte, dass jemand erschlagen wird. Gott sei Dank ist das hier nicht so und wir bewundern diesen Verfall, der uns aber auch traurig stimmt. Zurück mit dem Boot geht es zum Mittagessen nach Nyaungshwe und dann heißt es auch schon wieder Abschied nehmen vom Inle See, der mich sehr beeindruckt hat. Die Busfahrt geht wieder über die Schotterpisten zurück zum Flughafen Hejo und von dort aus fliegen wir nach Mandalay.

Nach unserer Ankunft geht es nahtlos über zu einer Stadtrundfahrt Mandalay. Mandalay liegt am Irrawaddy-Fluss rund 716 Kilometer nördlich von Yangon. Mandalay wurde von König Mindon 1857 in freiem Gelände am Ufer des Irrawaddy errichtet nach einer alten Prophezeiung, dass an dieser Stelle zum 2.400. Jubiläum des buddhistischen Glaubens eine Stadt entstehen würde. Wir checken im Hotel Mandalay Hill ein und können heute erst mal auch wieder die Koffer auspacken bzw. umräumen. Einige Kleidungsstücke wandern direkt zur Wäscherei. Im Mandalay Hill haben wir drei Übernachtungen und das tut auch mal gut. Zum Abendessen fahren wir in die Stadt.

11.02.2009 in Mandalay

Mimi und der Bus erwarten uns bereits nach dem Frühstück und unser heutiges Programm beginnt mit der U-Bein Brücke am Taungthaman-See in Amarapura. Sie ist mit 1.200 Meter die längste Teakholzbrücke der Welt. In der Regenzeit liegt der Pegel des Wassers kurz unter den Laufplanken der Brücke. Gebaut wurde sie im Jahre 1784 und Reparaturen waren seitdem kaum notwendig. Weiter geht es zum Mahagandhayon Kloster und wir erleben die Ausgabe der Opfergaben für die Mönche. Eine stille und bewegende Zeremonie. Die Mönche erhalten Reis von den Spendern und die Spender bedanken sich bei den Mönchen, dass diese die Gabe angenommen habe. Der nächste Halt ist in einer weiteren Seidenweberei mitten in Mandalay. Wir bewundern gerade die Stoffe als ein Ruf ertönt von Mimi: „Der Zug kommt!“ Alle rennen raus und tatsächlich sehen wir den Zug, der maximal (wenn überhaupt) einmal in der Woche fährt. Wie im Film schaukeln die Waggons hin und her und die ersten Passagiere haben auch schon auf dem Dach Platz genommen. Nach diesem Erlebnis und dem Einkauf von einem landestypischen Rock mit Bluse fahren wir weiter in die Straße der Steinmetze. Jeder Sicherheitsbeauftragter wäre entsetzt unter welchen Bedingungen und mit wie viel Staub die Metze hier konfrontiert sind. Die Buddhas stehen in allen Größen und Fertigungsgraden da und ich kann mich gar nicht satt sehen. Marmor wohin das Auge reicht … Der letzte Halt vor dem Mittagessen ist der Besuch der Mahamuni Buddha Figur. Die Statue (erbaut in 1784) ist eine der berühmtesten und meist verehrten des Landes. Die 4 Meter hohe Bronzefigur ist vergoldet und hunderte Gläubige bringen täglich zur Verehrung weiter Plattgold auf die Figur auf, sodass an manchen Stellen das Gold schon 15 cm dick sein soll. Der Buddha ist so hoch verehrt, dass ihm sogar jeden Tag um vier Uhr früh von Mönchen das Gesicht gewaschen und die Zähne geputzt werden.

 

 

 

Nach dem Mittagessen besichtigen wir den Königspalast mit dem umlaufenden Wassergraben mit einer Länge von 2 Kilometer in alle vier Richtungen. Im Zweiten Weltkrieg wurde Mandalay bei Kämpfen zwischen der japanischen Armee und den Briten weitgehend zerstört, der Königspalast in Schutt und Asche gelegt. Ende der 1990er ließ die Militärregierung unter anderem auch durch den Einsatz von Zwangsarbeit die alten Königspalastanlagen wieder aufbauen. Der Wiederaufbau ist lieblos und man vermisst das Filigrane. Den direkten Vergleich sieht man beim nächsten Stop unserer Fahrt: Shwenandaw Kloster (Goldener Palast Kloster). Das einzige Palastgebäude, das die britischen Granaten überlebt hat, gehört heute zum Shwenandaw Kloster. In dem prachtvollen Teakholzbau starb König Mindon, sein Nachfolger stiftete das Gebäude an ein Kloster. Das Gebäude wurde nach außerhalb des Palastes verlagert und blieb so als kleiner Teil des Palastes von der Zerstörung ausgespart. Im Kloster zeigt uns ein junger Mönch wie er aus seinem orangenen Tuch einen „Wintermantel“ macht. Der letzte Besichtigungspunkt für heute ist die Kuthodow Pagoda (Das größte Buch der Welt): Der Kuthodow Paya Komplex ist berühmt als „das größte Buch der Welt“. Um die Hauptstupa herum sind 729 Marmorplatten, auf denen eine ganze Tripitaka (Sanskrit, in Poli zusammengesetzte kanonische Schriften, in drei Sammlungen geteilt) eingraviert ist, verlegt. Es ist bewertet dass, wenn man 8 Stunden am Tag lesen würde, würde eine Person 450 Tage brauchen, um das ganze Buch durchzulesen. Zum Sonnenuntergang fahren wir mit kleinen Jeeps auf den Mandalay Hill und lassen uns vom Anblick verzaubern.

12.02.2009 in Mandalay

 

Andy muss heute im Hotel bleiben. Das gestrige Mittagessen hat ihm die Verdauung durcheinander gebracht. Gut, dass wir heute noch im Hotel sind und nicht auf der Weiterreise. Ich fahre mit den Anderen auf dem Ayeyarwady Fluss und wir besuchen den unvollendeten Tempel Mingun. König Boddawhpaya begann in Mingun mit dem Bau der größten Pagode der Welt. Obwohl der Bau nach dem Tod des Herrschers im Jahr 1819 eingestellt wurde, sind die unvollendeten, aber dennoch beeindruckenden Überreste dieses Mammutprojekts bis heute erhalten. Dieses Bauwerk spiegelt den Höhepunkt der Macht König Bodawhpayas. Er hatte große Pläne, denn er wollte Siam, China und Indien erobern. Nach acht Jahren Krieg musste Bodawhpaya die Grenzen seiner Macht erkennen. Er schloss Friedensverträge mit Siam und der Kaiser von China sandte als Geschenk für den König einen Zahn Buddhas. Für diesen Zahn beschloss Bodawhpaya das größte buddhistische Heiligtum der Welt zu erbauen. Für dieses ehrgeizige Projekt hatte der König 50.000 Küstenbewohner zwangsrekrutiert und verschleppt. Andere konnten der Sklaverei entkommen und flohen nach Westen in das von den Briten kontrollierte Gebiet. Die dadurch geschaffene Spannung führte zum ersten anglo-burmesischen Krieg und zum Niedergang Königs Bodawhpayas. Bei einem Erdbeben im Jahre 1838 stürzte die Reliquienkammer der Pagode ein.

Nur ein paar Schritte weiter stehen wir vor der größten noch funktionierenden Glocke der Welt (90 Tonnen) Sie ist freihängend läutbar (habs ausprobiert mit einem Stößel) und wurde im 19. Jahrhundert vom damaligen Kaiser Papawaya erbaut. Als ich in die Glocke krabbeln will zieht Mimi mich energisch zurück: „Wenn kommt Erdbeben und Glocke fällt! Wer soll Dich rausholen?“ Kleinlaut krieche ich zurück. Mit der Glocke im Hintergrund machen wir unser Gruppenfoto. Schade, dass Andy nicht dabei ist.

Zurück auf dem Fluss geht es wieder nach Mandalay und mit dem Bus weiter an eine Uferstelle an der die Frauen die Wäsche waschen. Fassungslos stehen wir da und im Gedanken küsse ich meine Waschmaschine zu Hause. So ungefähr müsste das damals bei meinen Ur-Ur-Ur-Großeltern (oder noch ein Ur davor?) ausgesehen haben. Wie schön, dass man manchmal den Spiegel vorgehalten bekommt und man wieder Dinge zu schätzen lernt, die man doch als so selbstverständlich nimmt. Nach dem Mittagessen gönne ich mir mit Papa und Andy eine Auszeit am Pool des Hotels. Ich muss langsam mal ein paar Eindrücke verarbeiten, denn mein Kopfspeicher ist bereits ziemlich voll.

13.02.2009 – Bootsfahrt von Mandalay nach Bagan

Der heutige Tag beginnt früh: Wir checken aus und fahren ans Ufer des Ayeyarwady. Mit dem Boot werden wir nach Mandalay fahren – die Fahrtzeit beträgt ca. 8 Stunden und das Wetter ist herrlich. Unterwegs erleben wir das Leben am und auf dem Fluss. Aufgrund des niedrigen Wasserstandes haben wir einige Male Bedenken, dass wir Aufsetzen und stecken bleiben könnten, aber es geht alles gut. Ein paar von uns lassen sich von Mimi mit Tanaka schminken – ich auch. Tanaka wird aus Baumrinde und Wasser gewonnen. Man reibt die Baumrinde auf einem speziellen Stein und vermengt das mit Wasser. So entsteht eine Paste, die als Hautpflegemittel und auch als Gesichtsschmuck getragen wird. Sie schützt die Haut vor der Sonne und hat einen angenehm kühlen Effekt. Mir hat das gut gefallen und ich habe es als sehr angenehm empfunden. Nach 8 Stunden kommen wir in Bagan an und werden von vielen kleinen Kindern empfangen. Man möchte uns Souvenirs verkaufen. Meine Mutter verschenkt ihre Jeansjacke und das junge Mädchen strahlt vor Glück. Unser Hotel für die nächsten drei Nächte ist das Bagan River View Hotel in Alt Bagan inmitten von Pagoden. Hier wurde übrigens auch vom Traumschiff gedreht und damit schmückt man sich hier gerne. Vergleiche mit Hollywood amüsieren mich.

14.02.2009 in Bagan

Nach dem Frühstück fahren wir zur Shwesandaw Pagoda und besteigen sie wegen der Aussicht über die Ebene von Bagan. Die UNESCO hat Bagan zum Weltkulturerbe erklärt und dort nicht weniger als 2.229 Ruinen offiziell registriert. Der Aufstieg Bagans zur seinerzeit größten buddhistischen Metropole der Welt begann 1057 mit der Verschleppung von 30.000 Gefangenen durch König Anawrahta. Von den hauptsächlich aus Holz erbauten Klöstern, Palästen und Wohnhäusern ist schon lange nichts mehr erhalten, die Überreste der aus Ziegeln erbauten Monumente des Buddhismus sind jedoch nicht zu übersehen. Weiter geht es zum Ananda Tempel mit dem mahnenden, lächelnden Buddha. Steht man direkt vor ihm, dann schaut er Dich mahnend an. Läuft man ein paar Schritte von ihm weg, dann lächelt er. Der Effekt ist besonders groß, wenn man sich umdreht, wegläuft und dann wieder zurück schaut. Ich hab das ein paar Mal gemacht. Wie im Bus geht es zur Shwezigon Pagoda. Die dicke goldene Stupa erinnert mich ein bisschen an die Shwedagon Pagoda mit Übergewicht. Überhaupt muss ich jetzt mal erwähnen, dass diese ganze goldene Pracht so überwältigen ist, dass man es nicht glauben kann. Die Menschen haben größtenteils so gut wie kein Geld, aber sie kaufen Blattgold und bekleben all ihre Heiligtümer. Die werden immer dicker vor Gold und der Glaube gibt den Menschen Kraft. Schwer für mich Europäerin im Überfluss zu verstehen. Noch einmal Tempel - Htilominlo Tempel und dann gibt es Mittagessen. Im Anschluss an das Mittagessen besichtigen wir zur Abwechslung mal wieder einen Tempel. Jetzt heißt er Gubyaukgyi Tempel und ich habe jetzt den Überblick verloren. Aber nicht nur mir scheint es so zu gehen ;-) So viele Tempel, Pagoda und Stupas. Wer kann da noch genau sagen welcher Tempel wie war. Schön waren sie alle.

Ein weiterer Punkt auf der Tagesliste ist der Besuch der Lackfabrik. Sehr ausführlich zeigt man uns die umständliche und aufwändige Herstellung von Lackprodukten: Dosen, Teller, Schmuck und mehr wird von filigranen Händen mit kleinen Messern verziert und in unzähligen Arbeitsschritten mit Lack eingefärbt. Wunderschöne Produkte stehen im angegliederten Shop zum Kauf bereit, aber meine Vernunft sagt mir, dass ich dafür keine Verwendung haben werde und ich kaufe daher nichts. Wir fahren weiter in ein typisches Dorf in Bagan mit den Namen Phura Saw. Mimi führt uns durch das ganze Dorf und die Bewohner bestaunen uns ebenso wie wir sie. Ein kleines Mädchen kommt und berührt meine Haut, die ja doch so viel heller ist als ihre. An der Wasserstelle holen junge Frauen mit einem Joch Wasser und tragen es zu ihren Hütten. Wann habe ich mich eigentlich das letzte Mal darüber gefreut, dass ich zu Hause einen Wasserhahn aufdrehen kann und warmes Wasser in Hülle und Fülle rauskommt? Wie gedankenlos lass ich es einfach laufen … Vieles in Myanmar gibt mir Gelegenheit nachzudenken und das tue ich auch. Zum Sonnenuntergang sitzen wir alle müde und schweigend auf dem Tayokpye Tempel. Eine wunderbare Stille und ein grandioser Ausblick hüllt uns ein.

15.02.2009 in Bagan

Der Wecker klingelt heute noch früher als sonst, denn wir haben eine Ballonfahrt über die Ebene von Bagan gebucht. Wir schleichen uns aus dem Hotel um die Anderen aus der Gruppe nicht zu wecken. Vor dem Hotel werden wir von der Crew von Ballon over Bagan erwartet und die größte Überraschung für mich ist Andrea: Sie habe ich vor ca. 8 Monaten über WKW kennengelernt und sie lebt in Bagan. Wir haben per WKW Kontakt geknüpft und gepflegt und mitten in Myanmar falle ich einer mir bis dahin unbekannten Frau in die Arme ;-) So klein kann die Welt auf einmal sein. Wir fahren zusammen zum Startpunkt. Vier Ballone sind im Aufbau. Im Unterschied zu Ballonfahrten in Deutschland beteiligen sich hier die Passagiere nicht am Aufbau. Wir trinken Kaffee / Tee und essen ein Croissant. Dann sind die Ballone fertig und wir hüpfen in den Korb. Andy (Andreas Mann) ist unser Pilot. Und dann schweben wir eine knappe Stunde über die Ebene von Bagan im Morgentau. Das kann man nicht in Worte fassen. Das ist so schön !!!

Nach der Landung trinken wir ein Gläschen Sekt und laden Andrea zum Abendessen ins Hotel ein. Und dann heißt es auch schon wieder ab in den Bus und zurück zum Hotel. Der Rest unserer Gruppe sitzt gerade beim Frühstück und wir werden erst einmal mit Fragen gelöchert. Nach dem Frühstück fahren wir zusammen mit Mimi zum Markt in New Bagan. Jeder schlendert für sich und kauft ein bisschen Obst, macht Fotos und sammelt Eindrücke. Schade, dass man sich nicht mit den Leuten unterhalten kann, aber englisch oder deutsch spricht man hier nicht und mein burmesisch gibt nur Mingalaba her. Aber man kann auch mit einem Lächeln Kontakte aufbauen.

Vom Markt aus fahren wir in Richtung Mount Popa (Einfache Fahrzeit ca. 2 Stunden – man erinnert sich noch an die Schotterpiste am Inle-See!) Unterwegs halten wir noch an einer Palmschnapsbrennerei und probieren ihn. Mir schmeckt das überhaupt nicht – macht ja aber nichts. Und dann sind wir am Mount Popa: Der Mount Popa ist ein erloschener Vulkan in der Myingyan-Ebene in Zentralmyanmar, etwa 50 km südöstlich der Tempelstadt Bagan. Bei einem gewaltigen Erdbeben 442 v. Chr. schob sich der Mount Popa etwa 1.000 m aus der Ebene. Die Höhe über dem Meeresspiegel beträgt 1.518 m. Die fruchtbare Vulkanerde inmitten der öden Umgebung brachte unzählige Blumen in allen Farben hervor. Vom Sanskrit Wort für „Blume“ (Popa) erhielt der Berg seinen Namen. Gelegentlich wird auch der 737 m hohe, südwestlich gelegene Vulkankegel Taung Kalat als Mount Popa bezeichnet. Auf dem Gipfel befindet sich die Tuyin Taung Pagoda. An und auf der hinaufführenden, überdachten Treppe leben viele Affen, die sich von den Gaben der Besucher ernähren. Mount Popa gilt als Wohnstätte der Nats, die die Schutzheiligen Myanmars darstellen. Zum Thema Nats könnte man glatt noch einen eigenen Bericht schreiben – vielleicht später mal. Zum Thema Affen muss ich was erzählen: Beim Runter laufen habe ich Affen fotografiert was das Zeug hält. Leichtsinnigerweise bin ich dann wohl in den Augen einer Affenmama einem Affenbaby zu nahe gekommen und plötzlich schießt die Affenmama mit gefletschten Zähnen auf mich zu. Ich bin so erschrocken und habe so geschrien. Das war echt verdammt eng. Ein paar Burmesen sind dann dazwischen gegangen und haben mir geholfen. Ich hab noch ewig gezittert, denn mir schoss schlagartig durch den Kopf, dass man mich hätte nach Thailand ausfliegen müssen um mich medizinisch zu versorgen, wenn die Affenmama zugebissen hätte … Medizinische Versorgung in Myanmar ist – wie so vieles – auf dem Stand des 19. Jahrhunderts. Ich habe mehr Glück als Verstand gehabt.

 

 

 

Der letzte Abend in Bagan ist angebrochen. Wir essen im Hotel und kleben Blattgold auf den Buddha im Tempel der Hotelanlage. Abends lieg ich im Bett und frage mich ernsthaft: War das wirklich erst heute Morgen als ich im Ballon über die Ebene von Bagan gefahren bin?

16.02.2009 von Bagan nach Yangon

Abschied von Bagan – ich bin sehr traurig, denn Bagan war nach dem Inle-See mein ganz persönliches Highlight. Wir fliegen mit einem Zwischenstop in Mandalay zurück nach Yangon. Air Bagan ist mit einem Bus zu vergleichen: Man fliegt nach Bedarf ;-) Hätte noch jemand in Hejo am Flughafen noch einer gestanden, der gerne nach Yangon geflogen wäre, dann hätten wir in Hejo noch eine Zwischenlandung gehabt. Und das lustigste an der Sache ist: Es nervt noch nicht mal …

Wieder checken wir im Hotel Kandawgyi Palace ein und essen dort zu Mittag. Anschließend fahren wir zum Fähranleger an den Ayeyarwady Fluss – die Fähre dürfen westliche Besucher nur mit Genehmigung benutzen, denn auf der gegenüberliegenden Seite sieht man noch das ganze Ausmaß den Zyklon (mit ca. 100.000 Tote). Wir bekommen keine Genehmigung und das erleichtert mich sehr. Katastrophentourismus ist nicht meine Welt. DANKE, dass ich nicht rüberfahren durfte !! Viel besser gefällt mir unser gemeinsamer Bummel über den typischen Markt im chinesischen Viertel von Yangon. Was man da sieht, riecht und erlebt fällt schwer zu beschreiben. Ich stelle an mir fest, dass mein Akku komplett leer ist und ich nichts mehr aufnehmen kann. Wird Zeit Urlaub zu machen. Vor dem Abendessen hüpfen wir noch mal in den Pool. Ein letzter Blick vor dem Schlafen gehen gilt der Shwedagon Pagoda, die nachts beleuchtet ist und vom Hotelzimmer aus sehr gut zu sehen ist.

17.02.2009 von Yangon über Bangkok nach Hua Hin

Abschied von Myanmar: Ich bin wehmütig und traurig, aber ich freue mich auf unseren Badeurlaub. Schwer fällt uns allen der Abschied von unserer Mimi, die allen Freunden und Bekannten ausrichten lässt: „Kommt nach Myanmar! Sagt das den Leuten in Deutschland. Sie kommen nicht wegen der Regierung. Sie sollen kommen, weil sie uns gut tun und uns helfen!“ Ich habe das jetzt hiermit ausgerichtet. Wir fliegen von Yangon nach Bangkok und dann geht es per Bus weiter nach Hua Hin. Vom 18.02.2009 bis 26.02.2009 erleben wir unseren Badeurlaub im Paradies und dann hat uns Deutschland wieder.

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