Ins Land wo die Zitronen blühen

frei nach Johann Wolfgang von Goethe

 

Unterwegs mit dem Wohnmobil
vom 11.05. bis 28.05.2012

 

Freitag, 11.05.2012

Die Abholung unseres Wohnmobils war schon am gestrigen Abend möglich und somit konnten wir bereits gestern alles einräumen. Der halbe Arbeitstag zieht sich wie Kaugummi, aber dann ist es endlich 12 Uhr und ich eile nach Hause. Um 14 Uhr sind Uta und Gerhard da und es kann endlich losgehen.

Wir fahren Landstrasse bis Bad Dürkheim und gehen dann auf die Autobahn in Richtung Straßburg. In Selz (F) halten wir an und kaufen erste Vorräte. Weiter geht es quer durch Straßburg, denn unsere Navi Tante ist verwirrt und führt uns mitten durch die Stadt. Im Berufsverkehr ist das schon mit einem Wohnmobil nicht lustig; mit zwei Wohnmobilen im Konvoi ist es anstrengend. Trotzdem verlieren wir uns nicht aus den Augen und meistern Straßburg bravuröse. Die Landstrasse führt uns bis Ribeaunville und dort auf den Campingplatz Pierre de Coubertin. Wir richten uns ein und machen es uns vor dem Schneckenhaus gemütlich. Uta und Gerhard satteln die Fahrräder und radeln zum Abendessen ins Dorf. Wir bleiben „zu Hause“ und nehmen unser Abendessen in Gesellschaft von Störchen ein. Die Tiere sind so zutraulich und kommen direkt an den Tisch. Mir ist es ein wenig mulmig zumute, denn so ein Storch hat ja doch einen beachtlich langen Schnabel. Mit gezielten Brotweitwürfen lenken wir sie von unserem Abendessen ab. Der in Selz erstandene Münsterkäse ist so grausig, dass er von uns gnadenlos entsorgt wird. Nach dem Abendessen kommen Uta und Gerhard zurück und wir lassen den Abend bei Wein und Bier und aufkommendem Sturm ausklingen.

Eckdaten des Tages:

Anfang                 19.030 KM
Ende                     19.241 KM
gefahren                   211 KM

Samstag, 12.05.2012

Die erste Nacht war aufgrund des starken Sturms sehr unruhig. Unsere Erinnerungen an die Nacht an der Utah Beach in der Normandie wurden heute Nacht wieder wach. Zum Frühstück stellen wir fest, dass die von Nadine ausgeliehene Kaffeemaschine defekt ist. Sie landet im Müll und wir schnorren Kaffee bei Uta und Gerhard. Nach dem Frühstück räumen wir alles zusammen und ziehen weiter. Wir fahren Landstrasse über Mulhouse  und Besançons bis Dole. Unterwegs halten wir kurz in einem großen Supermarkt an und kaufen eine neue Kaffeemaschine. Ohne Kaffee geht’s halt nicht. Der Himmel ist blau, aber es ist recht frisch. Wir bummeln durch Dole und genießen Pain a Chocolade und Kaffee im Sonnenschein. Uta und Gerhard wollen lieber auf die Autobahn und so düsen wir über Lyon recht teuer zu unserem nächsten Stellplatz in der Nähe der Rhone. Der Platz ist hübsch und auch hier haben wir wieder gefiederte Gäste: Diesmal besuchen uns die Spatzen. Nach dem Einparken und Frischmachen geht’s zum Abendessen ins Lokal am Platz. Andy isst leckere Pizza, ich nehme Pasta und die Beiden schwelgen in Fleisch und Salat. Ein Absacker vorm WoMo ist noch drin, aber dann kriechen wir müde in die Falle.

Eckdaten des Tages:

Anfang                 19.241 KM
Ende                     19.733 KM
gefahren                   492 KM

Sonntag, 13.05.2012

Zum Frühstück weihen wir die neue Kaffeemaschine ein und sind zufrieden: Der ist heiß, lecker und macht wach. Wir packen unsere sieben Sachen zusammen und fahren wieder auf die Autobahn. Heute Abend wollen wir am Meer sein und das ist auf der Landstrasse nicht zu schaffen. Die Strecke gen Süden ist wunderschön. Rechts entdecken wir auf einem Felsmassiv eine Festung, die atemberaubend aussieht. Die Abfahrt Orange kommt in Sicht und ich dirigiere uns von der Autobahn. Ich möchte Andy dieses schöne Städtchen mit dem Amphitheater unbedingt zeigen. Wir haben Glück und finden auf Anhieb zwei Parkplätze mitten im Städtchen. Wieder ist der Himmel blau, aber heute ist es recht stürmisch. Uta hetzt ihrer Mütze nach die ihr der Wind vom Kopf gefegt hat und mir stehen die Haare strubbelig zu Berge. Gegenüber dem Amphitheater entdecken wir eine Crêperie und dort lassen wir uns nieder. Es gibt Crêpes mit Salat und den ersten Cidre. Ein Bummel durch die Fußgängerzone von Orange führt uns auch in die Cathédrale Notre Dame de Nazareth und wir zünden Kerzen für unsere Lieben an.

Zurück auf der Autobahn geht es nun immer weiter in den Süden: Wir passieren Avignon und Aix-an-Provence. Die Landschaft verändert sich nun sehr und ich erkenne die Umgebung wieder. Ich hatte vor vielen Jahren einen Workshop in Brignoles und schon damals hat mir diese Ecke Frankreichs sehr gut gefallen. Unser Navi gibt den Geist auf, aber das macht nichts: Ich kann Karten lesen und navigieren und ich mache das auch sehr gerne. Schließlich sind wir in St. Maxime angekommen und wir sehen das Meer. Wie in jedem Urlaub freue ich mich wie ein kleines Kind auf diesen ersten Blick. Uta hat uns einen Campingplatz zwischen St. Maxime und Fréjus ausgesucht, der laut Campingführer als sehr schön beschrieben wurde. Wir finden ihn auf Anhieb und können bestätigen, dass das hier ein wunderschöner Platz ist. Spontan beschließen wir zwei Nächte zu bleiben. Die SAT Schüssel bestimmt unseren endgültigen Stellplatz und heute können wir Nachrichten sehen. Da wir zum ersten Mal SAT TV an Bord haben müssen wir erst lernen, dass Plätze mit Bäumen zwar schön, aber TV untauglich sind. Zum Abendessen gibt es Käse, Oliven, Salami, Schinken und Weißbrot, Bier, Wein und gute Gespräche bis Mitternacht.

Eckdaten des Tages:

Anfang                 19.733 KM
Ende                     20.125 KM
gefahren                   392 KM

Montag, 14.05.2012

Ein rund um fauler Tag beginnt mit Ausschlafen und genau das tue ich heute. Andy kriecht früher aus der Falle und verabschiedet Uta und Gerhard zum Golfen nach St. Maxime. Wir frühstücken gemeinsam in der Sonne und bummeln dann am Strand und durch den kleinen Ort. Wunderschöne Häuser stehen hier und jedes dieser Häuser hat einen Ausblick der uns neidisch macht. Als wir unterwegs eine Telefonzelle entdecken stellen wir fest, dass die Kids so was gar nicht mehr kennen. Im Handyzeitalter findet man solche Zellen auch in Deutschland kaum noch. Ich stell mich mit dem Hörer am Ohr in die Zelle und Andy macht ein Foto. Zurück am Strand genießen wir einen Kaffee im Sonnenschein. Das Wetter ist heute traumhaft schön. Es geht nur ein leichter Wind und die Temperaturen sind perfekt. Den Nachmittag liegen wir faul in der Sonne, lesen und relaxen.  Am Abend kommen Uta und Gerhard zurück: Ihr Platz war schön und sie hatten Spaß. Nach dem Duschen und Restaurieren laufen wir zur Pizzeria am Meer. Hier sitzt man so schön und Andys Pizza ist verblüffend gut. Ich hab mich für Mozzarella Caprese entschieden. Der Abend klingt wieder gemütlich vorm WoMo aus.

Dienstag, 15.05.2012

Nach unserem gemeinsamen Frühstück bezahlen wir unsere Rechnung und machen uns auf den Weg. Es geht entlang der Cote d’Azur und die Strecke ist einfach nur schön, das Wetter ist toll und die Aussicht fantastisch. Wir erreichen Cannes und wundern uns über den großen Andrang und die vielen roten Teppiche: Es sind Filmfestspiele und hier steppt der Bär. Weiter geht es bis Nizza. Zu gerne würden wir hier bummeln gehen, aber wir finden keinen Parkplatz. Nach über einer Stunde geben Andy und ich entnervt auf. Uta und Gerhard wollen weitersuchen und so wünschen wir ihnen viel Erfolg. Wir fahren weiter nach Monte Carlo. Es ist wie verhext: Hier werden gerade die Tribünen für das Formel 1 Rennen aufgebaut und wir können nur oberhalb der Stadt durchfahren. Die Suche nach einem Parkplatz geben wir hier bereits nach eine Viertelstunde auf, aber Andy hält kurz am Straßenrand, damit ich Zigaretten kaufen kann. Zurück zum Auto entdecke ich Charlene und Albert – auf einem Foto im Frisörsalon … Ich kann aber guten Gewissens sagen, dass ich schon mal in Monte Carlo shoppen war und den Fürsten gesehen habe.

Wir passieren die Grenze zu Italien und fangen langsam an uns nach einem Campingplatz für die Nacht umzusehen. Ein zuerst von uns angesteuerter Platz ist überhaupt nicht nach unserem Geschmack, denn der gesamte Platz ist betoniert und kahl. Nichts wie weg und wieder ein Stück zurück, denn da ist auch noch ein Platz im Campingführer eingezeichnet. Wir verfehlen den empfohlenen Platz und landen stattdessen auf einem Miniplätzchen. Außer uns sind hier nur noch zwei oder drei Familien, die wohl dauerhaft hier wohnen. Komfort sucht man hier vergeblich und auch die Toiletten sind nicht empfehlenswert, aber für eine Nacht ist es auszuhalten. Wir sind müde und beschließen hier zu bleiben. Andy duscht im WoMo (Premiere) und stellt fest, dass das wirklich gut funktioniert. Frisch geduscht machen wir uns am Strand entlang auf zum Abendessen. Jetzt nun in Italien angekommen will Andy eine Pizza. Mir persönlich würden die ja schon zum Hals raushängen, aber Andy kann Pizza jeden Abend futtern. Wir finden ein kleines Restaurant direkt am Strand und trinken den besten Weißwein zur schlechtesten Pizza des Universums.

Die Sonne geht bereits unter als Uta und Gerhard eintrudeln. Sie haben tatsächlich einen Parkplatz außerhalb von Nizza gefunden und sind tapfer gelaufen. Nun sind sie platt und müde. Der spartanische Campingplatz trägt bei Uta nicht gerade zur Förderung der guten Laune bei und so endet der Abend recht früh im Bett.

Eckdaten des Tages:

Anfang                 20.125 KM
Ende                     20.284 KM
gefahren                   159 KM

Mittwoch, 16.05.2012

Heute brechen wir nach einem Kaffee auf, denn wir wollen im nächsten Ort frühstücken. Wir lassen den Zwergencampingplatz hinter uns und fahren an der Küste entlang nach St. Stefano. In einem Strand Café bekommen wir ofenwarmen Aprikosenkuchen und Kaffee im Sonnenschein. Ein Traum …

Weiter führt uns unser Weg entlang am Meer bis Noli. Hier halten wir, denn hier will ich mal bummeln. Meine Eltern waren hier mal im Urlaub – lange bevor an mich zu denken war. Selbstverständlich senden wir ihnen ein Foto. Oberhalb von Noli verläuft ein Wall der mich an die chinesische Mauer erinnert. Wir finden ein Restaurant mit Sitzplätzen in der Sonne und genießen eine Portion Mozzarella Caprese. Weiter geht es gemütlich bis Savona und dann wählen wir die Autobahn, denn durch Genua wollen wir lieber nicht mit den Wohnmobilen fahren. Die Autobahn ist der Hammer: Eine Achterbahn ist nichts dagegen. In Kombination mit dem Fahrstil der italienischen LKW Fahrer ist die Fahrt abenteuerlich. Andy hat feuchte Hände und ich bin auch nicht besonders ruhig und ausgeglichen.

Uta hat übers iPad einen Campingplatz in der Gegend von Chiavari ausgesucht, aber der Platz gefällt uns nicht. Auf dem Weg zurück durch den Ort bremst uns eine Eisenbahnunterführung aus. Wir könnten durchfahren, aber der WiGu (Spitzname von Uta und Gerhards WoMo) passt nicht durch. Also wenden wir und fahren zurück: Eine Irrfahrt durch die Berge beginnt. Nach einer halben Ewigkeit sind wir wieder an der Küste und peilen nun einen neuen Platz (angeblich direkt am Meer) an. Leider ist die Durchfahrtshöhe an der Küstenstrasse ca. 100 Meter vorm Campingplatz für den WiGu zu gering und völlig entnervt landen wir auf den letzten beiden Stellplätzen eines Campingplatzes in Framura. Morgen kommt die Giro di Italia und hier haben sich bereits viele Fans eingefunden. Wir erfahren, dass die Strassen morgen früh gegen 9 Uhr gesperrt werden und beschließen eine frühe Abfahrt. Zum Abendessen gehen wir in ein optisch wunderbares Restaurant. Uta, Gerhard und Andy bestellen sich Fischplatten, die dann auf einer Platte gemeinsam serviert werden und mengemässig eher für zwei Personen gedacht waren. Mein Scaloppina a Limone ist okay, aber mehr auch nicht. Das Beilagengemüse hingegen ist schon eine kleine Unverschämtheit. Das Ganze wird nur noch durch die hohe Rechnung getoppt. So teuer und schlecht habe ich lange nicht mehr gegessen.

Eckdaten des Tages:

Anfang                 20.284 KM
Ende                     20.528 KM
gefahren                   244 KM

Donnerstag, 17.05.2012

Unsere Abfahrt erfolgt pünktlich um 8 Uhr – nichts wie weg hier bevor die Radler kommen.

Wir steuern nun durchs Hinterland Cinque Terre an. Unterwegs entdecke ich das Hinweisschild nach BONASSOLA und beschließe eigenmächtig, dass wir da jetzt hinfahren. Zur Erklärung: In Bonassola haben Gabi und Andy aus der Lindenstrasse eine Ferienwohnung und  wenn ich schon mal da bin, dann muss ich als LiStra Fan natürlich hin. Die engen Serpentinen packen die Wohnmobile verblüffend gut und auch eine Parkmöglichkeit ist rasch gefunden. Wir nutzen drei Parkplätze längs zur Fahrbahn für beide WoMos und laufen über ein paar Stufen hinunter ins Örtchen. Es ist Markt und wir setzen uns vor ein Café und frühstücken gemütlich. Anschließend bummeln wir an den Marktständen vorbei und Uta kauft Schuhe. Als wir die Stufen zu unserem Parkplatz wieder hinaufsteigen kommt uns schon ein junger Mann entgegen. Ob denn das da oben unsere Wohnmobile wären? Als wir das bestätigen führt er uns zu unseren Fahrzeugen. Davor wartet bereits ein Carabiniere auf einem Fahrrad und hinter den Scheibenwischern zwei Strafzettel á € 39,--. Das darf ja wohl nicht wahr sein. Ziemlich sauer krabble ich auf meinen Beifahrersitz und beobachte fasziniert wie mein Andy verhandelt. Mit deutsch, englisch, italienisch, Händen und Füßen geht er auf den Carabiniere los: Wir haben doch nur die Wirtschaft angekurbelt -> Fingerzeig auf Utas Tüte voller Schuhen. Wir haben nur 10 Minuten hier geparkt -> der Strafzettel war laut Uhrzeit 7 Minuten „alt“. Hier stehen auch nirgends Schilder, dass WoMos  hier nicht parken dürfen. Nein, wir haben nicht die ganze Nacht hier gestanden. Und dann geschieht das, was ich nie im Leben erwartet hätte: Der Dorfsheriff zerreißt die beiden Strafzettel und lässt uns ziehen. Ich bin sprachlos.

Von Bonassola aus fahren wir bis Levanto und entdecken dort das Hinweisschild zum Campingplatz Aqua Dolce. Diesen Platz hatten uns Deutsche auf einem Lidl Parkplatz hinter Noli empfohlen und wir steuern ihn an. Nachdem wir uns auf dem zwar engen, aber sehr schönen Platz eingerichtet haben, ziehen Andy und ich los zum Bahnhof. Uta und Gerhard bleiben zwecks Relaxe zurück. Cinque Terre ist mit Auto oder Wohnmobil nur schwer zu entdecken. Man kann die Schönheit dieses Landstriches am besten zu Fuß erkunden oder – wie wir – mit dem Zug in die einzelnen Orte fahren. Uns zieht es nach Riomaggiore. Die Fahrkarten sind schnell erstanden und der nächste Zug lässt auch nur 10 Minuten auf sich warten. Die Fahrt selbst ist völlig unspektakulär, denn man fährt nur durch Tunnel. In Riomaggiore angekommen geht es gleich weiter durch einen Tunnel (diesmal für Fussgänger) und dann sehen wir das Örtchen und sind begeistert. Die bunten Häuser rund um den kleinen felsigen Hafen kleben an den steilen Wänden. Das schöne Wetter macht diesen Anblick noch beeindruckender. Wir bummeln und betrachten uns alles in Ruhe. Auch das Fenster zum Hotelzimmer von Mama und Papa vom letzten Urlaub entdecken wir und SMSen Fotos nach Deutschland. Wir laufen die Via dell’Amore entlang zum Bahnhof und lassen uns zurück nach Levanto fahren.

In Levanto angekommen erleben wir die nächste Überraschung: Die Giro kommt … Wir lassen uns von der Ausgelassenheit und Spannung anstecken und bleiben an der Strecke stehen. Über uns kreisen Hubschrauber und vor uns fahren immer mal wieder ein paar Werbeautos. Dann kommt der erste Pulk der Fahrer und die Massen toben. Anders als vor einigen Jahren in Frankreich zur Tour de France sehen wir hier viel mehr. Die Radler sind zwar auch verdammt schnell unterwegs, aber sie müssen hier eine enge Kurve meistern und wir können sie dabei in Ruhe betrachten. Nachdem dann auch der zweite und dritte Pulk an uns vorbeigesaust ist bummeln wir durch die engen Gässchen von Levanto, trinken einen Espresso, kaufen Abendessen ein und laufen dann zurück zum Campingplatz. Der Abend klingt gemütlich vor den WoMos aus. Heute haben wir viel erlebt und ich muss sagen: Das war bis jetzt der schönste Tag vom Urlaub.

Eckdaten des Tages:

Anfang                 20.528 KM
Ende                     20.556 KM
gefahren                     28 KM

Freitag, 18.05.2012

Nach dem gemeinsamen Frühstück packen wir zusammen und fahren nach Lucca. Von den wunderschönen Cinque Terre Dörfern sieht man von der Straße aus nichts. Ich bin sehr froh, dass wir gestern den Ausflug nach Riomaggiore gemacht haben. Wie schade wäre es gewesen, wenn wir das versäumt hätten. Der Himmel ist heute grau und es sieht nach Regen aus. Hoffentlich hält das Wetter. In Lucca angekommen finden wir einen großen Parkplatz in der Nähe eines Sportstadions. So verwöhnt wird man selten, wenn man mit dem WoMo unterwegs ist. Wir laufen durch eine wunderschöne Allee entlang der alten Stadtmauer / Befestigungsanlage bis zu einem der vier  Durchgänge und dann betreten wir die Altstadt. Hier fahren so gut wie keine Autos und man kann gemütlich bummeln. Wir lassen uns treiben, trinken Kaffee, essen Eis und bewundern die schönen Häuser und die Auslagen der Geschäfte. Uta ersteht ein Paar Schuhe und ich ein Poster der Piazza dell'anfiteatro für Mama. Dieser beeindruckende Platz ist oval und mit einer Häuserreihe umschlossen. Andy macht von der Mitte aus mehrere Fotos, die er zu Hause zu einem Panoramabild zusammenfügen möchte. Ich bin gespannt, ob er es hinbekommen wird.

Der Himmel ist nach wie vor grau, aber es bleibt trocken. Unser Weg führt uns weiter in Richtung Pisa. Im Campingführer wurde uns ein Platz ca. 800 Meter Luftlinie vom schiefen Turm empfohlen und den wollen wir ansteuern. Unterwegs beschließen wir heute Abend den bei Lidl gekauften Elektrogrill von Gerhard einzuweihen und legen einen Shoppingstop in Carrara ein. Mit frischem Fleisch, Salat und Co. im Gepäck geht es weiter. Kurz vor Pisa kommen wir über einen Hügel und dahinter eröffnet sich uns der Blick auf die Ebene von Pisa. Schon aus der Entfernung kann man den schiefen Turm gut erkennen und ich freue mich schon auf die Besichtigung morgen. Der von uns angesteuerte Platz ist okay und wir richten uns häuslich ein. Das Wetter macht sich zum Abend hin noch mal: Die Sonne kommt raus. Uta und ich übernehmen die Salatproduktion. Gerhard und Andy vertiefen sich in den Aufbau des Elektrogrills. Nachdem nur ca. 5 Mal die Sicherung vom WiGu rausgeflogen ist stellen die Herrlichkeiten den Grill direkt an den Verteiler und schon klappt das mit dem Grillen auch. Ein wirklich leckeres Abendessen haben wir da gezaubert.

Eckdaten des Tages:

Anfang                 20.556 KM
Ende                     20.690 KM
gefahren                  134 KM

Samstag, 19.05.2012

Ja, ich wusste, dass der schiefe Turm von Pisa schief ist, aber als ich um die Ecke gehe und vor ihm stehe bin ich platt: Man ist der schief … Das kommt auf den Fotos und im TV gar nicht so krass rüber wie in der Realität. Selbstverständlich möchte ich auch so ein Foto haben auf dem ich den Turm halte, aber es wird nicht so gut. Früher konnte man wohl noch auf die Rasenfläche vor dem Turm, aber das darf man nicht mehr. Mir gelingt aber ein Foto mit dem iPhone auf dem der Turm gerade ist. Einen Bummel durch Pisa beenden wir mit einem Kaffee und dann trennen wir uns von Uta und Gerhard. Die Beiden wollen zurück an die Küste und wir wollten weiter durch die Toskana in Richtung Adria.

Leider ist der Himmel grau und es regnet. Der Reiz dieser wunderschönen Landschaft kommt nicht rüber. Alles ist grau in grau und das gefällt uns gar nicht. Wir fahren bis San Gimignano und wollen dort auf einen Campingplatz fahren. Als wir kurz hinter San Gimignano gerade in Richtung des Platzes abbiegen wollen hält neben mir ein Rollerfahrer mit einer neongelben Weste. Auf dem Rücken steht CAMPER und er deutet mir an die Scheibe zu öffnen. In Englisch fragt er mich, ob wir einen Campingplatz suchen. Ich sage ihm, dass wir gerade hinfahren wollten, aber da erklärt er mir, dass er von einem anderen Platz ist. Sie hätten ein tolles Angebot für uns: € 22,-- mit Strom, Wasser und Co. und einen kostenlosen Shuttlebus ins Dorf. Das klingt gut und wir fahren ihm hinterher. Nach dem Anschließen unseres Schneckenhauses und kurzem Frischmachen geht es mit dem Shuttle ins Dorf. Die ersten paar Meter können wir noch trocken laufen, aber dann öffnet der Himmel seine Schleusen und es regnet. Wir sind frustriert. Dieser Ort ist so wunderschön und wie schön wäre es erst mit Sonne. Als wir an einem sehr einladenden Geschäft eines einheimischen Winzers vorbei kommen legen wir einen Stop ein und Andy verkostet Grappa. Er ist begeistert und wir kaufen zwei Flaschen für Achim.

Zurück am Platz setzen wir uns zum Abendessen vors Restaurant und bekommen leckeres Fleisch frisch vom Grill. Der Himmel hellt sich auf und wir bekommen tatsächlich noch ein paar Sonnenstrahlen, aber schon nach kurzer Zeit setzt der Regen wieder ein.  Den Abend verbringen wir lesend bzw. TV glotzend im Schneckenhäuschen.

Eckdaten des Tages:

Anfang                 20.690 KM
Ende                     20.780 KM
gefahren                    90 KM

Sonntag, 20.05.2012

Unsere erste Anlaufstelle heute ist Siena. Auf Anhieb finden wir einen guten Parkplatz und laufen los. Der Wettergott meint es gut und verschont uns mit Regen, aber dieses ewige Grau geht mir echt aufs Gemüt. Andy hat gestern Abend noch im Internet nachgeschaut und die Prognose für die Region in den nächsten Tagen ist echt düster aus. Die engen Gassen von Siena gefallen uns sehr gut und der muschelförmige Platz ist sehenswert. In der Stadt ist gerade eine Veranstaltung über Diabetes bei Kindern und überall stehen Clowns, Musiker und Infoständen. Vor der Stadtmauer ist ein großer Markt aufgebaut und die ganze Stadt lebt. Wir schaffen es trocken zurück ans Wohnmobil und kaum sitzen wir drin, geht draußen die Welt unter. Wir beraten und entscheiden uns zur Weiterfahrt an die Adria Küste in die Ecke rund um Rimini. Vielleicht ist es dort ja besser. Der Weg führt uns durch das Gebirge. Mir war gar nicht bewusst, dass Italien so viele Berge hat. Unterwegs entdecken wir auch einen Stausee, aber wir können nicht erkennen welcher Ort in der Nähe ist. Auf meinen Strassenkarten ist der See nicht eingezeichnet. Als vor uns ein Auto mit dem Hoheitskennzeichen RSM auftaucht kommen wir ins Grübeln. Was ist das für ein Land? Ach ja: Republik San Marino - die älteste Republik der Welt. Na wenn wir schon mal hier sind fahren wir doch durch. Gesagt, getan … Wie schon vermutet ist kein Unterschied zu Italien erkennen, aber immerhin waren wir jetzt mal in San Marino. Die letzten Kilometer hinab an die Küste meint Andy, dass wir jetzt doch mal nach Riccione fahren und nachsehen, was ich noch alles erkenne. Ich war zum Zeitpunkt meines Urlaubes in Riccione vielleicht 5 Jahre alt oder so; ich werde mit Sicherheit nichts mehr erkennen.

Laut ADAC gibt es hier einen Platz zum ADAC Sonderpreis von € 16,-- pro Nacht und den steuern wir an. Der Platz macht einen guten Eindruck und wir freuen uns über den Schnäppchenpreis. Zum Strand ist es nicht weit. Wir haben jetzt den ganzen Tag sitzend verbracht, da tut ein Spaziergang gut. Am Strand ist wetterbedingt nichts los und selbstverständlich sieht es hier ganz anders aus. Die Tretboote, die es jetzt gibt haben so lustige Rutschen. DAS hätte mir als Kind auch gut gefallen. Zurück am Platz genießt Andy die beste Pizza des Urlaubs und ich bekomme Spaghetti Carbonara. Uta und Gerhard melden per SMS ihre Weiterfahrt nach Parma zum Golfen und an den Gardasee. Wir melden zurück, dass wir hier aufgrund des schlechten Wetters die Zelte abbrechen und so vereinbaren wir unser Wiedersehen am Gardasee. Nach dem Duschen im WoMo stellen wir fest, dass dieser Platz sehr „verkehrsgünstig“ liegt: Rechts ist eine vielbefahrene Schnellstrasse (versteckt hinter einer hohen Hecke), links ist eine Bahnlinie und über uns sind die Flugzeuge im 10 Minuten Takt im Landeanflug auf Rimini. Gute Nacht …

Eckdaten des Tages:

Anfang                 20.780 KM
Ende                     21.049 KM
gefahren                   269 KM

Montag, 21.05.2012 – schweres Erdbeben in der Region um Parma

Nein, ich mag nicht mehr über das Wetter schreiben … Die Nachrichten berichten von einem schweren Erdbeben in der Region Emilia-Romagna mit vielen Toten.

Nach dem Frühstück komme ich mit Petra und Georg aus Hannover (die nicht ihr Leben träumen, sondern ihren Traum leben – Aufkleber auf dem WoMo) ins Gespräch: Sie brechen auch auf und wollen an den Gardasee. Sie empfehlen uns einen schönen Platz bei Lazise und wünschen uns eine gute Fahrt. Mal sehen, wer Erster ist. Wir nutzen aufgrund der weiten Strecke die kostenpflichtigen Autobahnen und schippern vorbei an Bologna und Modena Richtung See. Unterwegs haben wir teilweise sintflutartige Regenfälle und Andy muss langsam machen. Als wir am empfohlenen Campingplatz Belvedere im strömenden Regen ankommen sind Uta und Gerhard noch nicht da. Wir warten im trockenen WoMo auf die Beiden, denn wir wollen gemeinsam entscheiden, ob uns der Platz gefällt. Sie kommen, der Platz ist gut und wir bekommen Plätze in der ersten Reihe am See. Der ganze Platz steht unter Wasser und Andy fährt sich im Schlamm fest. Mit Müh und Not kommt er wieder raus. Nach dem Anschließen ist er nass bis auf die Unterwäsche und wir sitzen erst mal ziemlich frustriert im WoMo. Mit einer Tasse Kaffee schlucken wir den Frust runter und üben uns in Geduld. Ändern können wir es eh nicht, also machen wir das Beste daraus. Ich lauf zum Shop und hol uns was Süsses und treffe Petra und Georg. Sie sind auch gerade eingetroffen und Georg stärkt sich nach der langen Fahrt mit einem ersten Bier.

Gegen Abend lässt der Regen nach und es hellt sich ein wenig auf. Der Dunst steigt nach oben und wir erblicken endlich den See. Schön ist es hier – das haben wir vor ein paar Stunden noch gar nicht erkennen können. Gemeinsam bereiten wir uns ein Abendessen mit Mozzarella, Tomaten, Salami, Schinken und frischem Brot und wir können tatsächlich draußen essen. Wir schlüpfen recht früh in die Federn, denn der Tag war anstrengend.

Eckdaten des Tages:

Anfang                 21.049 KM
Ende                     21.333 KM
gefahren                   284 KM

Dienstag, 22.05.2012

Die Wettervorhersage für den Gardasee war richtig: Die Sonne scheint!

Nach dem Frühstück satteln wir unsere Fahrräder und radeln am See entlang nach Lazise. Uta und Gerhard frönen dem Relaxen. Lazise ist ein wirklich wunderschönes kleines Städtchen und wir bummeln durch die Gassen. Für Johanna erstehen wir ein hübsches Stück Seife und ich gönne mir ein T-Shirt. Am Hafenbecken in der Sonne genießen wir einen Espresso und radeln dann wieder zurück. Alles in allem waren das ca. 8,5 Kilometer, also absolut harmlos. Den Nachmittag verbringen auch wir recht entspannt. Unser Schneckenhaus bekommt eine Reinigung, Andy putzt die Fahrräder und dann baden wir in der Sonne. Nach dem Duschen gehen wir ins Restaurant mit Blick über den See und lassen uns auf der Terrasse nieder. Ich bestelle mir Scaloppina a Limone und bekomme es mit brauner Bratensoße serviert. Das geht ja mal gar nicht. Ich reklamiere und mache klar, dass ich Scaloppina a Limone NICHT mit Bratensoße, sondern – wie der Name schon sagt – mit Limonensoße möchte. Der Teller geht zurück in die Küche und nach 15 Minuten bekomme ich mein Essen richtig. Geht doch …

Mittwoch, 23.05.2012

Heute ist Markt in Lazise und wir fahren zu viert mit den Rädern in den Ort. Anders als gestern schließen wir heute unsere Fahrräder an einen Laternenmast. Gestern haben wir die Fahrräder die ganze Zeit mit uns mitgeführt, weil Andy kein gutes Gefühl hatte sie anzuketten. Aber heute ist Markt und da sind die engen Gassen voller Menschen und man kann nicht mit Fahrrad laufen. Wir lassen uns durch das Marktgewühl treiben, verlieren Uta und Gerhard aus den Augen, kaufen ein hübsches T-Shirt für mich und eine Schirmmütze Cap für Andy, trinken Kaffee und fühlen uns einfach nur gut. Ein wunderschöner Markttag in Lazise mit Traumwetter und Trubel. Dann beschließen wir den Heimweg und laufen zu unseren Fahrrädern zurück. Als wir um die Ecke biegen sehe ich den leeren Laternenmast und es fühlt sich an als würde mir jemand mit Anlauf in den Magen treten. Andy braucht ein paar Sekunden bis die Botschaft angekommen ist: Unsere teuren Fahrräder - gesichert mit zwei dicken Ketten - sind weg. Die Räder von Uta und Gerhard am Nachbarmast sind ebenso noch da wie all die andern Bikes, die wohl nicht ganz so hochwertig waren wie unsere. Mir wird schlagartig schlecht und ich fang an zu zittern. Es ist nicht der Verlust der Räder: Es ist dieser Verlust an den Glauben ins Gute im Menschen der mich so fassungslos macht. Räder kann man ersetzen, aber mit der Tatsache, dass sich hier jemand einfach so am Eigentum Anderer bedient habe ich große Probleme. Ich kann meine Tränen nur schwer zurückhalten. In einem Restaurant frage ich nach dem Weg zur Polizia und wir laufen nach deren Angaben in das Büro in der Nähe vom Hafenbecken. Dort erfahren wir, dass man hier nicht für uns und unseren Fall zuständige wäre. Das machen dann nämlich die Carabinieri. Wir traben zur Wache der Carabinieri los und ich warne unterwegs eine Deutsche mit dem gleichen Rad vor den Dieben. Sie sieht mich erschrocken an, aber vielleicht habe ich hier wenigstens einen weiteren Diebstahl verhindern können. Bei den Carabinieris angekommen lesen wir ein Schild sogar in Deutsch „Wir sind für Sie von 8:00 bis 22:00 Uhr da!“ Das klingt gut, aber die Realität sieht anders aus. Nach mehrfachen Klingeln meldet sich jemand an der Sprechanlagen: Mittagspause – kommen Sie um 16 Uhr wieder. Ich bin nun nicht nur traurig, sondern auch so richtig sauer. Eine Italienerin, die gerade ihren Sohn von der Schule abholt bietet uns spontan an uns zum Campingplatz zu bringen. Ihr ist das, was uns hier passiert ist sichtlich unangenehm und sie möchte uns gerne helfen. Wir nehmen nach anfänglichem Zögern ihr Angebot an und lassen uns heimfahren. Unterwegs entschuldigt sie sich bei uns, aber sie kann doch gar nichts dafür. Wir bedanken uns bei ihr für ihre Mühe und schleichen zurück zum WoMo. Eine knappe Stunde später kommen Uta und Gerhard zurück und auch sie sind sprachlos. Sie dachten, dass wir schon vorgefahren sind.

Wir knabbern schwer an dem Verlust, denn wir haben lange überlegt, ob wir die Räder überhaupt mitnehmen. Nur die Tatsache, dass wir eine große Garage am WoMo haben hat uns veranlasst die teuren Drahtesel einzupacken. Den Nachmittag verbringen wir in uns gekehrt in der Sonne …

Am Abend beschließen wir gemeinsam mit einem Taxi nach Lazise zu fahren und dort zu Abend zu essen. Es wird ein wunderschöner Abend und er lenkt uns auch ein bisschen vom Fahrradthema ab. Ich kaufe mir einen Hut und Uta investiert noch in Halskette, Ohrringe und T-Shirt. Unser Abendessen ist okay, aber nicht weltbewegend. Am Hafenbecken lädt Gerhard uns zu einem Hugo ein und wir lernen dieses köstliche Getränk kennen. Am Abend spielen wir ein bisschen Tabu im WiGu und dann geht’s ab ins Bett. Morgen wollen wir weiter an den Lago Maggiore und eine letzte gemeinsame Nacht verbringen, bevor Uta und Gerhard über die Schweiz in die Heimat düsen. Uns zieht es über Frankreich zurück nach Hause.

Donnerstag, 24.05.2012

Wir lassen den Gardasee hinter uns und fahren zum Lago Maggiore. Rechts begleitet uns die gesamte Fahrt über das Bergpanorama der Alpen. Es ist eine wunderschöne Fahrt bei Traumwetter. Die Entscheidung nach Norditalien zu fahren war richtig. Unterwegs kaufen wir alles für einen zünftigen Grillabend ein. Unseren letzten gemeinsamen Abend müssen wir feiern. Andy und ich gönnen uns zwei große preiswerte Rotweingläser, die ab sofort unsere WoMo Haushaltbox bereichern werden. Am Lago finden wir im Ort Lesa Novara einen Campingplatz direkt am See und wir haben sogar das Glück die zwei ersten Stellplätze am Strand zu ergattern. Diese beiden Plätze sind nur für eine Nacht frei, denn ab Freitag sind sie für 10 Tage reserviert. Da wir eh nur eine Nacht bleiben möchten, dürfen wir sie haben. Wir richten uns gemütlich ein und faulenzen in der Sonne. Wieder einmal bekommen wir gefiederte Gäste: Eine ganze Entenschar und ein Schwan lassen sich von uns mit unsern alten Brotvorräten füttern. Gegen Abend zaubern wir ein Abschiedsessen das sich sehen lassen kann.

Eckdaten des Tages:

Anfang                 21.333 KM
Ende                     21.539 KM
gefahren                   206 KM

Freitag, 25.05.2012

Nach dem Frühstück verabschieden wir uns voneinander und dann trennen sich unsere Wege. Andy und ich fahren über Aosta in Richtung Monte Bianco / Mont Blanc. Das Bergmassiv wird immer mächtiger und beeindruckender. Auf den höchsten Gipfeln liegt Schnee und wir haben Sonnenschein und Wärme. Durch unzählige Tunnel, die teilweise bis zu 10 Kilometer lang sind, fahren wir immer weiter hoch. Mit 4.810 Meter Höhe ist der Mont Blanc der höchste Berg der Alpen. Über den Titel „höchster Berg“ Europas streiten sich die Geister. Am Eingang zum 11,6 Kilometer langen Mont-Blanc-Tunnel zieht es uns schier die Schuhe aus: Die Durchfahrt mit dem Wohnmobil kostet € 52,20. Dass der Tunnel Geld kostet war uns durchaus bewusst, aber das es so viel kostet haut uns um. Vor zwei Jahren haben wir für die Durchfahrt des 14 Kilometer langen Arlbergtunnels nur € 8,50 bezahlt. Andy fragt den Kassierer, ob wir denn nun Anteile des Tunnels gekauft hätten, aber der gute Mann hat keinen Humor. Vermutlich hört er diesen oder ähnliche Sprüche des Öfteren. Wir fahren in die Röhre mit Gegenverkehr ein und werden überall darauf hingewiesen, dass wir unseren Sicherheitsabstand einhalten sollen. Nach dem Tunnelbrand von 1999 sind die Sicherheitsvorkehrungen enorm hoch. Das ist ja auch richtig so. Damals hatte ein LKW Fahrer eine Zigarettenkippe aus dem Fenster geworfen. Diese Kippe hat den Luftfilter und in der Folge den Motor des LKWs in Brand gesetzt. Damals starben 39 Menschen und der Brand konnte erst nach 53 Stunden unter Kontrolle gebracht werden. Auf der französischen Seite oberhalb von Chamonix befindet sich eine Gedenkstätte für die 39 Opfer des Tunnelbrands.

Das Licht am Ende des Tunnels wird besonders von mir gerne gesehen. Ich kann heute gar nicht mehr glauben, dass ich Tunnelfahrten als Kind so spannend fand. Heute ist mir das eher ein Graus. Wir kommen zurück ans Tageslicht oberhalb von Chamonix und halten erst einmal an. Das Panorama ist beeindruckend schön; wir sitzen in der Sonne und betrachten uns die Paragleiter, die sich vom Gipfel nach unten gleiten lassen. Der Gletscher glänzt in der Sonne. Es ist ein wirklich beeindruckender Anblick. Langsam fahren wir die Bergstrasse hinunter. In Chamonix halten wir am Supermarkt an und kaufen ein: Kaffeepads sind mal wieder dringend erforderlich und – wie schon vor zwei Jahren festgestellt – in Italien nicht zu bekommen. Wir füllen unseren Vorrat auf. Auch die Benzinpreise sind nun wieder moderat: In Italien hatten wir Dieselpreise zwischen € 1,635 und € 1,795. Jetzt sind wir bei Preisen, die auch deutlich unter den deutschen Literpreisen sind. Da macht das Tanken wieder mehr Spaß. Weiter geht es durch kleine Dörfer, die mich an die Schweiz erinnern nach Annecy. Wir finden einen schönen, kleinen Campingplatz direkt am Lake de Annecy und buchen uns für zwei Nächte ein.

Eckdaten des Tages:

Anfang                 21.539 KM
Ende                     21.860 KM
gefahren                   321 KM

Samstag, 26.05.2012

Nach dem Frühstück frage ich in der Rezeption, ob man hier Fahrräder mieten kann. Ich erzähle, dass man uns unsere eigenen Räder gestohlen hat und bekomme eine Mitleidsbonus: Wir erhalten die Räder einen ganzen Tag zum Preis eines halben Tages. Direkt am See entlang radeln wir nach Annecy. Der Fahrradweg ist ein Traum – so macht das Radeln Spaß. Im Ort angekommen trauen wir uns kaum die Räder abzustellen, aber dann siegt die Vernunft. Man bekommt nicht zwei Mal in einem Urlaub die Fahrräder gestohlen! In Annecy ist Kunst- und Flohmarkt und es ist richtig Leben in den Gassen. Andy bekommt ein paar coole Turnschuhe von Crocs. Auf dem Heimweg haben wir noch Lust weiter zu radeln und so folgen wir dem Radweg bis der Durst uns zu einer Tennisanlage führt. Im Sonnenschein trinken wir etwas und dann geht’s zurück zum Platz. Unseren faulen Nachmittag unterbreche ich nur kurz um mit dem Rad noch einmal los zu düsen und frisches Brot zu kaufen. Unser Abendessen vor dem Wohnmobil ist lecker. Gegen Abend fallen die Franzosen ein. Es ist Samstag, am Montag ist Feiertag und das merken wir jetzt. Gestern waren wir nur eine Hand voll WoMos und jetzt ist fast jeder Platz belegt. Wir machen es uns vor der Glotze gemütlich und gucken den Eurovision Song Contest und stellen fest, dass wir das vor zwei Jahren in Kroatien auch schon gemacht haben.

Sonntag, 27.05.2012

So langsam naht das Ende unseres Urlaubes und wir sind ca. 670 Kilometer von der Heimat entfernt. Unsere letzte Nacht möchten wir am Beginn des Elsass verbringen und dann morgen nach Hause fahren. Wir verabschieden uns vom Lake de Annecy, der uns sehr gut gefallen hat und fahren los. Ab Besançon waren wir auf dem Hinweg Landstrasse bis Dole gefahren. Nun fahren wir den Teil der Landstrasse zurück entlang dem Fluss Le Doubs, den wir am Anfang nicht befahren haben. In Belfort essen wir zu Abend und dann finden wir einen Campingplatz in Masevoux. Dieser Ort ist so klein, dass er noch nicht einmal auf meiner ADAC Karte zu finden ist, aber der Platz ist klasse. Die Frau an der Rezeption spricht englisch mit starkem Dialekt. Wir kommen ins Gespräch und erfahren, dass sie aus Schottland ist. Bei ihr trinken wir ein Feierabendbier und dann bricht unsere letzte Nacht im Schneckenhaus an. So schön der Urlaub war: Ich freu mich jetzt auch wieder auf zu Hause.

Eckdaten des Tages:

Anfang                 21.860 KM
Ende                     22.252 KM
gefahren                   392 KM

Montag, 28.05.2012

Der letzte Tag – das letzte Frühstück vor unserem fahrenden Zuhause – das letzte Zusammenpacken und auschecken und dann geht es ab in die Heimat. Wir fahren die uns inzwischen sehr vertrauten Strassen über Mulhouse, Colmar, Riquewihr, Sélestat, Straßburg und Wissembourg. Heute ist auch in Frankreich Feiertag und alle Geschäfte haben geschlossen. Daher fahren wir in einem Rutsch nach Hause. Eigentlich wollten wir noch ein wenig einkaufen und so ein bisschen Urlaub mit nach Hause nehmen, aber es ist auch so okay. Am frühen Nachmittag treffen wir in der Heimat ein und dann kommt der Teil eines Wohnmobilurlaubes, der am wenigsten Spaß macht: Wir räumen aus und putzen. Morgen früh geht unser treuer Begleiter zurück zum Vermieter. Wir waren sehr zufrieden mit diesem Mobil und sind nun ein wenig wehmütig. Aber: Nach dem Urlaub ist vor dem Urlaub.

Eckdaten des Tages:

Anfang                 22.252 KM
Ende                     22.541 KM
gefahren                   289 KM



 

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